Wenn nur alles so einfach sein könnte! Manchmal möchte ich kein Charakter, sondern einfach nur Protagonist sein. Dann wäre meine Vergangenheit festgeschrieben, und ich könnte jeden einzelnen Moment in der Gegenwart verbringen, einfach darauf bedacht, die bestmögliche Figur zu machen. Es gäbe keine Mittelwege (wie überflüssig!), es gäbe auch keine „Wiebitte“s. Welch ein geniales, plattes Leben!

Warum das ganze Gejammer? Nun…Scheinbar verdrängt man doch recht viele Dinge. Teile von etwas, das einmal war…einfach weg. So viele verschwendete Minuten, die es in der Zukunft nie gegeben haben wird, bis etwas kommt, ein leiser Duft, ein Klang, ein Wort, ein Gefühl auf der Zunge, als wäre es fast wieder da…Und doch bleibt es ungreifbar, schwebt seltsam im Raum und lacht einen aus, verbreitet Vergangenheit, als wäre sie inflationär zu haben.

Dabei ist natürlich zu trennen zwischen den Fakten und allem anderen, was zwischen den Fakten war. Das eine zu verlieren, ist nur traurig…das andere geradezu beschämend. Ich habe Kinder auf dem Arm gehalten, kann mich aber nicht erinnern, wie es war. Ich bin regennasse, verschneite und kochend heiße Straßen entlanggegangen. Ich bin umgekippt auf einem Konzert, es war eines von denen hier:

und kann mich kaum erinnern.  Die Menschen, mit denen ich gesprochen habe, die Grimassen, die alte Frau, die das erste Mal meine Sprache verbesserte, es war schon im Frühling. Das Echo im Rund der Siegesstatue. All die vielen Ramschläden, die Flohmärkte, die rauhe Sprache der gläubigen Handwerker. Jedes Detail möchte ich festmeißeln, aber wozu? Es wird doch niemals wiederkommen.

Страна Восможности. Das Land der Möglichkeiten. Heimweh, Angst und eine unendliche Hassliebe. Tränen vor lauter Herzenskälte. Wann werden jemals Worte dafür auftauchen? Oder anders gefragt: Werden jemals Worte dafür auftauchen? Ich weiß es nicht.

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