Meine Freunde sind alle schreibunlustig.

Wir heulen uns gegenseitig zu, wie unproduktiv wir sind, alles klappt nicht so, wie wir es wollen, warum kann nicht einfach mal irgendwas auf Knopfdruck funktionieren?

Ich habe einen Monat im Krankenhaus gearbeitet. Soviel Liebe, immer noch, selbst die sich einstellende Alltäglichkeit konnte der Liebe keinen Abbruch tun. Nun ist es vorbei und ich bin anders. Nur ein Monat. Beinahe seltsam.

Schreibunlust selbst bei mir. Ich bin so aktiv, es ist sehr erstaunlich und überraschend. Viele Dinge tun in kurzer Zeit. Ungewohnte Dinge. Neue Dinge, komplizierte Dinge, solche, die Telefongespräche mit vielen verschiedenen fremden Menschen erfordern, oder Verantwortungsübernahme, oder mehrere Arbeitsschritte nacheinander, oder – am allerschlimmsten – Selbstvertrauen.

Unwichtig, zu erwähnen, was es alles war, aber es war eine ganze Menge. Jeden zweiten Tag ein neues Erstes Mal. Und gute Dinge, keine Selbstzerstörung, kein Rückzug. Jeden Tag Frühstück mit dunklem Brot und Marmelade und Kaffee. Arbeit.

Ich bin von zu Hause weggelaufen für einen Abend wie ein Kind, aber alles wurde überwunden. Ich habe gemerkt, dass ich harmlos wirke, wenn ich lächle.

Wovon ich träume? Von einer Uni, die nicht meine eigene ist. Davon, bekannte Menschen zufällig am Eingang eines dubiosen Freizeitparks zu finden. Ich träume davon, zu schlafen, sitzend, den Kopf in beiden Armen auf einer Tischplatte vergraben. Von dem merkwürdigen Gefühl, wenn zwei Leute meinetwegen einen lächerlichen Streit haben.

Keine Eifersucht mehr. Und auch das Gefühl, dass es unwichtig ist, alles genau haarklein auszubreiten. (Wer hat mit wem geschlafen, wo sind welche Gefühle, warum ist auf einmal alles so schön, warum fühle ich mich nicht, als hätte ich was verloren, wohin soll ich ziehen, wenn ich ausziehe, warum hat sich mein Vater heute Abend mit mir unterhalten? Warum ich mich mit ihm? Was sind die Baha’í eigentlich für Leute?)

Eine undeutliche Vorstellung davon, wie es sein muss, normal zu sein und nicht depressiv und nicht essgestört und einfach zielstrebig. Dieses unfreundliche Diagnosefeld auf dem Überweisungsschein vom Arzt, das mich so fragend anschaut. Vielleicht bin das gar nicht mehr ich.

Annonymus, Morgenrot, blubbl, Jasper, Tatze, Kaktus, werauchimmernoch. Ihr seid so lieb. So unendlich freundlich und immer, immer, immer da.

Leben ist ein Schritt nach dem anderen. Und dann noch einer. Und dann noch einer. Und wenn man sich nicht eilt, nicht ans Ende der Straße schaut und einfach nur dabeibleibt: Ein Atemzug, ein Besenstrich. Ein Atemzug, ein Besenstrich. Dann hat man auf einmal das Ende der Straße erreicht. Und man ist gar nicht aus der Puste.

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