Hach, es ist so unheimlich schwierig, zu schreiben, wenn man befürchtet, von Anfang an nervig zu sein mit all dem Gejuchze.

Und wieder gibt es all diese Themen, die herumschwirren, die sich kurzzeitig als gute Ideen maskieren, sich danach aber doch als luftleere zwei-Zeilen-Teile herausstellen (drei „Ei“ in einem Bindestrichmonster, yay).

Zum Beispiel, dass es in keiner anderen Sprache ein Äquivalent zu dem Wort „kullern“ zu geben scheint. Dass die Leute ihre Äpfel wieder an der Jeans abreiben, bevor sie hineinbeißen, statt sie zu kochen. Alle Details der Unzulänglichkeiten bezüglich der Organisation meines Studiengangs (zu verschult, zu praxisfern, zu motivationsraubend).

Dass ich ausgerechnet die schwer verzichtbaren Dinge dort vergesse, wo ich so gern hinwürde (Brille, Ladekabel), verbunden mit der Frage, ob das irgendetwas sagen will. Ich könnte die Geschichte erzählen, wie ich meinen Spindschlüssel verlor, mein Spindschloss knacken lassen musste, und, während der Anatomieinstitutstyp seinen Bolzenschneider holte, ebendort meine lang vermisste Halskette aus Russland wiederfand. Wie ich dachte, das müsse Schicksal sein, bis ich heute (oh Wunder) ebenjenen Schlüssel in einer Rocktasche aufstöberte (auf der Suche nach meinem verschwunden bleibenden Führerschein).

Erzählen, wie ich am frühen Morgen, es wurde schon hell, zu meiner Reise am Wochenende aufbrach, und die Sonne aufgehen wollte. Die ersten zwei Bilder, noch ehe ich am Hauptbahnhof ankam.

Das Ankommen, völlig übernächtigt, in einer beinahe ausgestorbenen Stadt. Befangenheit, Smalltalk, Schweigen. Der wertvolle Moment auf den Gartenstühlen des Kirchenvorplatzes. Augen geschlossen.

Noch ist es nicht wie gewohnt, doch natürlich kommt das niemals von jetzt auf gleich. Es braucht Zeit, Geduld, weniger Erwartungshaltung.

Ein Wiedersehen und ein Zum-ersten-Mal-Sehen, der Gedanke, dass es von nun an drei Tage so bleiben wird. Erinnerung an die vorherigen Male, natürlich, da ist man auch viel herumgestapft, hat das Biotop des jeweils Einheimischen begutachtet, es schön gefunden, wie könnte man es auch nicht schön finden, wenn so ein gemochter Mensch dort lebt, träumt und einem von dort beinah alles schreibt, was man so von von ihm bekommt?

Wir leben in die Tage hinein, planen wenig, vergeuden viel Zeit. Fast, als wüssten wir, dass am Ende das Beieinandergewesensein wichtiger ist als sämtliche vorzeigbare Aktivität.

Zumindest grundlegende touristische Ziele konnten wir abklappern.

(Heute sind die Fotos fertiggeworden, der Scanner hat sie alle verrissen und verfärbt…)

Doch wie es immer ist: Die schönsten Augenblicke gibt es nicht auf Papier, sie verschwinden viel zu schnell, tanzen eine Weile zwischen den Neuronen herum, um sich dann irgendwo in der Nähe der Kindheitserinnerungen niederzulassen, wo man sich jedes Mal, wenn man sie halten will, vorher durch einen Haufen Gerümpel kämpfen muss.

Bilder sagen nichts. Sie kommen hübsch daher, stehen für sich selbst, und wecken doch nie soviel Gefühl, wie sie sollten (wenn es nach mir ginge).

Und dennoch wird es neben den Bildern auch keine Worte geben, manches kann nicht gesagt werden, zuviel Diffusität, zuviel unhinterfragte Akzeptanz. Wehmut bei der Erinnerung an Glück, unterdrückte Hoffnung, denn vielleicht wird es nie wieder so werden… („Ach Quatsch“, würden sie jetzt sagen, „es war wundervoll und es wird auch wieder wundervoll sein, du weißt es, also glaub auch daran!“)

Wieviel hab ich gelacht, gelernt, zusammenhanglose Dinge geplappert, wieviele Stunden im Halbschlaf verbracht, von selbst und ganz frei über viele Dinge nachgedacht.

Durch die Stadt geschlendert, in Erwartung und schlecht maskierter Aufregung, die sich als unbegründet herausstellte. Herrlich wars, jeder Moment, was könnte ich hier auch anders sagen?

Die Abreise war überstürzt, und dennoch…es hätte keine bessere Alternative gegeben, denn so war das einzige, was mir entging, die wenigen Stunden des wehmütigen Wartens auf den endgültigen Abschied, die man so krampfhaft zu genießen versucht, dass am Ende niemand mehr etwas zu sagen weiß. Gutgemeinte Liebesschwüre, auf die man kaum antworten kann, dazu die Gewissheit, dass Weinen nicht geht, nachdem man es sich mühsam, aber erfolgreich abtrainiert hat.

Danach die lange Fahrt, Versuch, etwas zu schlafen, Smalltalk, noch immer eingehüllt in diese Aura uneingeschränkter Freundlichkeit, liebevollen Behandeltwerdens, wie eine Art Traum, bis zum Moment, in dem sich die Tür des Wohnheims quietschend öffnet und alles andere sprunghaft ein Stück in die Vergangenheit rückt.

Wir zählen schon wieder die Tage.

Und ich vermisse euch.

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