Menschen sind so schnell. Geradezu beängstigend schnell, kommen und gehen, Wege kreuzen sich und verlaufen sich wieder, hoffnungsvolles Momenteteilen verliert sich in Trauer und irgendwann Resignation. (Als ich klein war, dachte ich an Schienen, was treffend sein mag, denn es kann nicht überall Weichen geben, was dazu führt, dass man einigen Menschen nie so nahe kommt, wie man gern würde, weil dazwischen die Lebenswege anderer verlaufen und einen einengen, ob man will oder nicht, während man selbst genauso andere Menschen einengt.)

Frühling letztes Jahr, Sommer letztes Jahr, Herbst in Deutschland, Winter, dann sowas wie Frühling, dann Sommer. Jede Jahreszeit hat ihre Menschen, auf diese Weise ist es möglich, sie in der Erinnerung auseinanderzuhalten, denn ihnen zu schreiben, den Mut zu finden hat man schon lange aufgegeben. Sie in Verbindung bringen mit Wärme oder Kälte, mit Schals oder mit Imgrasliegen.

Ab und zu gibt es welche, die irgendwie mit beidem verknüpft sind, da weiß man, dass das eine Weile gehalten haben muss. Jetzt ist Herbst, es tauchen neue auf, doch man weiß nicht, ob man auch noch den Winter mit ihrer gelegentlichen Präsenz verbringen wird.

Menschen sind beängstigend schnell.

Was bleibt hinter alledem? Eine seit Jahren dem Untergang geweihte Umhängetasche, die von Tag zu tag hässlicher wird; ich würde, wenn ich mich entscheiden müsste, wahrscheinlich am ehesten diese Tasche heiraten. Eine Brille, deren Stärken nicht mehr passen und die dennoch überallhin mitkommt, aus reiner Notwendigkeit. Jedesmal, wenn ein Ding seinen Geist aufgibt, ersetzt werden muss, eines von diesen wenigen, ist es verlustreicher als die Aufgabe eines jener wankelmütigen Individuen.

Die Tasche kennt Sommer und Winter, Regen und Salzwasser, sie kennt Essen, Bücher und Klamotten vom Einkaufen, von der Schule, von der Uni, vom Verreisen. Könnte sie sprechen, würde sie wohl weise brummen. Natürlich ist sie kaputt. Neue, heile Dinge sind seelenlos. Neue, heile Menschen sind so erschreckend auf ähnliche Weise.

Es gibt diese Website, auf der Menschen Fotos jener Dinge veröffentlichen, die sie bei Feuer retten würden. Dass die sich entscheiden können, ist nicht jede Entscheidung für oder gegen etwas unheimlich prätentiös? Ich vermeide das Experiment eines solchen Fotos, es würde entweder zuviel oder zuwenig darauf sein. Entscheidungsfreude ist okay in der Notwendigkeit, jedoch nicht für sich ganz allein. Ich liebe manche Dinge, doch natürlich bleibt das Bewusstsein, dass es nur Dinge sind. Wenn schon alles andere wasserfallartig davongleitet, dann dürfen zumindest die Berge im Hintergrund unverrückbar bleiben.

I don’t know if you can see

The changes that have come over me

In these last few days I’ve been afraid

That I might drift away

So I’ve been telling old stories and singing songs

That made me think about where I came from

And that’s the reason

Why I feel so far away today

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