…unsere Station kotzt und es ist Samstag!

Tatsächlich machen die Iso-Zimmer keine Freude; hoffentlich ahnt kein Besucher, welches Grauen dahinter wartet. Iso-Zimmer werden nicht aufgeräumt, weil es viel zu umständlich ist, Dinge hinauszubringen, sodass sich nach und nach undefinierbare Haufen von Zeug ansammeln, von dem niemand weiß, wozu es einmal gut sein sollte. Jeder, der hineingeht, vermummt sich mit Schutzkittel, Mundschutz und Handschuhen. Ich stelle mir dabei vor, in einen luftdichten Anzug zu schlüpfen, um einen fremden Planeten zu betreten, der für mich unverträgliche Atemluft hat und wo ich versuchen muss, Kontakt zu einer fremden, extraterrestrischen Spezies aufzunehmen. (So sehr ist das eigentlich gar nicht an der Realität vorbei…)

Samstag bedeutet: Keine Ärzte, keine Untersuchungen, wenig Therapietermine, äußerst dehnbarer Zeitplan. Eine 99-jährige (und geistig klare!) Frau S., die ausnahmsweise keinen Besuch bekommt und ob dieser Tatsache einigermaßen unleidlich ist. („Warum kümmern Sie sich um meine Nachbarin! Ich habe doch geklingelt! Sehen Sie, ich habe Verdauung gehabt! Wo hab ich denn nun mein Taschentuch? Sie müssen aber daran denken, die Türe aufzulassen!“ – Besagte Nachbarin wirft mir ein verschwörerisches Lächeln zu.)

Kommunikation mit alten Menschen besteht aus einer Aneinanderreihung von unzähligen Ausrufezeichen. Dinge, die nicht wichtig genug sind, um ein Ausrufezeichen zu bekommen, verdienen es erst gar nicht, geschrien gesagt zu werden. Irgendwann seufze ich, schweige und lächle und nicke: „Alles gut! Keine Sorge, es ist in Ordnung! Sie machen das wunderbar! Alles prima so! Ich freue mich für Sie! Keine Angst! Alles gut! Alles gut! (…!)“

Ich frage mich, wie sehr man demente Menschen zu ihrem eigenen Wohlbefinden für dumm verkaufen darf, wie sehr man die Welt für sie vereinfachen kann, ohne, dass es lächerlich und entwürdigend wird. Heute gehört:

„Aber weinen Sie doch nicht, Frau K., nicht weinen! Sie wissen doch, Ihr Blutdruck..!“

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