…der, wie es schien, einen krassen Gegensatz zum vorangegangenen darstellen wollte.

Morgens zu verschlafen, ist eine Sache. Morgens zu verschlafen, völlig gehetzt und nur halb wach anzukommen und dann zu hören: „Oh, eigentlich stehst du heute aber als frei auf dem Plan…hat dir das keiner gesagt?“, eine andere…

Also hieß es; nicht nur arbeiten, sondern sogar noch eine Stunde zusätzlich dranhängen, bis um drei Uhr nachmittags, zur völligen Erschöpfung, und das wegen einer verpassten Stunde am Morgen (die sich normalerweise durch Dienstplan-Durchgehen, reden, Teetrinken und Raucherpause für die Raucher auszeichnet). Natürlich ist jemand wie ich unfähig, diesbezüglich den Mund aufzumachen und sich gegen die Bevormundung zu wehren. Man ist ja auch nur Praktikant, eher geduldet (zumindest wird so getan in Momenten, in denen es um das Klären von Dingen geht), und ein kleiner Fisch bei wahllosen Herumschiebereien im Dienstplan.

Da ist der Ärger mit Arbeit an den Wochenenden, die aufgezwungen wird, obwohl es eigentlich nicht sein sollte, mit der Begründung: „Das wird hier eben immer so gemacht“, und: „Es ist Sache des Krankenhauses, wann und wie die Praktikanten beschäftigt werden, und nicht des Landesprüfungsamtes.“

Natürlich. Das Landesprüfungsamt spart wohl auch nicht so heftig wie dieses Krankenhaus, das sich mit der Zugehörigkeit zu einer religiös geprägten Organisation schmückt, auf Plakaten im Aufzug Frömmigkeit zu verbreiten versucht, und im selben Moment Personal spart, die eigene Küche zugunsten von prestigeträchtigeren Projekten streicht und stattdessen ekelhaftes, tiefgekühltes Essen von außerhalb kommen lässt. Das an den Wochenenden, weil studentische Hilfskräfte reihenweise kündigen, anstelle von examinierten Kräften lieber unbezahlte Praktikanten verheizt, was natürlich eine Zumutung für beide Seiten ist (die Praktikanten selbst ebenso wie das am Wochenende arbeitende „richtige“ Personal).

Zudem ist niemand Verwaltungsbeauftragtes jemals aufzufinden, derzeit sind sowohl die Stationsleiterin als auch die stellvertretende Stationsleiterin gleichzeitig im Urlaub (wie sinnvoll!). Und ich stehe dazwischen, hilflos, schüchtern und ahnungslos, und mir fehlt jede Kraft, um diesen Konflikt mit den höheren Instanzen entschlossen auszutragen (in der Gefahr, sich für immer und ewig unbeliebt zu machen).

Soviel zum heutigen Tag… Ein Lichtblick: Die Arbeit mit den Patienten selbst ist (obgleich anstrengend und ermüdend) auch erfüllend: Sie besser kennenzulernen, Fortschritte beobachten zu können und morgens beim ersten Eintreten ins Zimmer mit einem freudigen Lächeln begrüßt zu werden: „Ach, da ist ja die nette Schwester mit den kurzen Haaren schon wieder!“ Und ganz gleich, wie viel unterschwelliges Gezanke im Stationszimmer ich gerade erdulden durfte, ich kann nicht anders, als zu lächeln.

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