…war der vergangene Dienstag, zumindest der 13. Tag, über den ich berichten möchte, weil er so herrlich war und sowieso.

In letzter Zeit fasse ich WordPress mit einem so schlechten Gewissen an, weil es eben nichts mit Unizeug zu tun hat, ebensowenig mit Dinge-draußen-tun oder sonstigen „Aktivitäten mit Menschen“. Ich prokrastiniere das Bloggen mit Lernen, wie tief bin ich nur gesunken?

Nun aber: Dienstag.

Zunächst einmal habe ich Spätschicht, Beginn um 13 Uhr, also wird der Vormittag in einer ganz ungewohnten Ruhe verbracht, bis ich dann schließlich doch beinahe zu spät bin (diese Versuchung, die mit der Möglichkeit einhergeht, zu Fuß zum Krankenhaus gehen zu können, ohne Bus- oder Bahnfahrzeiten einhalten zu müssen!) und zehn Minuten eher hilflos im Stationszimmer herumstehe, mich bei allen nacheinander vorstelle und versuche, Namen zu lernen.

Im Spätdienst sind wir vier Menschen: Eine ältere, examinierte Krankenschwester, ein Krankenpflegeschüler, eine FSJlerin und ich. Herrliche Mischung, oftmals fühle ich mich wie in einem Wurf junger Schäfchen, der regelmäßig (grimmig, aber wohlmeinend) vom alten Mutterschaf angeknurrt wird und bei jeder Kleinigkeit um Hilfe bitten muss. Doch das Faszinierende dabei ist: Es braucht sich nicht angestrengt zu werden, um gute Laune beizubehalten. Die Arbeit ist durchaus da, aber sie drängt nicht. Beeilen tut man sich nur freiwillig, weil es gelegentlich guttut, etwas schnell erledigt zu haben. Und so messe ich Blutdruck, habe ganz viel mit Infusionen zu tun, bereite Tropfenbecher vor, packe Kisten mit bestellten Waren aus… Alles wie gewohnt.

Auch hier gibt es wieder eine Menge Isolationszimmer, mit einer bunten Mischung aus Norovirus-, Clostridien- und MRSA-Patienten. Zwei davon sind Voll-Pflegefälle (was haben die eigentlich auf einer chirurgischen Station zu suchen? Ich weiß es bis heute nicht), doch der Rest stellt sich

mir da als überraschend…menschlich. Soll heißen: Patienten, die antworten, wenn man mit ihnen spricht! Patienten, die nur dann klingeln, wenn sie wissen, was sie wollen, und das auch nicht so sonderlich oft. Patienten, die ich verstehen kann, und das mit jedem Wort, die manchmal sogar Witze machen und welche verstehen.

Und natürlich die Infusionen… Es mag paradox klingen, aber vielleicht reizen sie mich gerade deshalb so, weil sie etwas sind, was ich nicht darf (so offiziell zumindest). Dennoch tue ich es. Es ist wie mit Tropfen und anderen Medikamenten: Die ersten Dinge, die wirklich (zum Teil) dem entsprechen, was ich eigentlich tun will. Ich mag es, sie vorzubereiten: Bei flüssigen IV-Medikamenten eine 2-mL-Spritze zu nehmen, eine Aufstecknadel, die kleinen Glasphiolen aufzubrechen (Die mir jemand aus dem abgeschlossenen Betäubungsmittel-Schrank holen muss) und jeweils die Hälfte in eine 1000-mL-Infusionsflasche mit Ringerlösung zu geben. Das ganze entsprechend zu markieren, dann eine Packung mit grün-orangefarbenem Infusionsbesteck aufzureißen, die Plastikkanüle in die Flasche zu stecken und aufzudrehen, bis das Ganze zum Ende des Schlauchs gelaufen ist. Wieder zudrehen, zum Patienten bringen. Nun kommt der Teil, den ich eigentlich nicht darf, aber trotzdem öfters tue: Das Anhängen. Ich tue es, wenn

  1. Irgendeine „stärkere“ Art von Medikament in der Flasche ist, evtl. sogar Betäubungsmittel, die Flasche selbst aber schon beim Patienten steht,
  2. Ich die Flasche selbst vorbereite und hinbringe, sie aber nur z.B. Ringerlösung (zur intravenösen Flüssigkeitszufuhr) enthält,
  3. Ich selbst eine Flasche mit Medikament vorbereitet habe, aber jemand anderes vom Pflegepersonal mit im Raum ist und das dementsprechend kontrollieren kann.

Und ach, es ist herrlich, ich liebe das Aufdrehen des Schlauchendes auf die Braunülen (auch „Nadeln im Arm“) genannt, das Lösen des Stellrads zur Einstellung der Laufgeschwindigkeit, das leichte Tippen gegen den Kontrollbehälter (da, wo es immer tropft…), um eventuelle Luftbläschen zu lösen…

Genauso liebe ich es, wenn jemand keine IV-Medis mehr braucht und die Nadel gezogen wird, denn das ist meist meine Aufgabe. Vielleicht rührt meine Vorliebe auch nur daher, dass mir meist eine große Welle der Dankbarkeit von Seiten der Patienten entgegenschwappt, endlich von „diesem Ding“ befreit zu sein. Es verursacht ein Gefühl der Großartigkeit, als sei das allein mein Verdienst…jaja. (Man möge über mich lachen!) Ich nehme eine große Flasche Desinfektionsmittel zum Sprühen mit und weiche damit zunächst die weißen Schlitzpflaster auf, die daraufhin langsam um die Nadel herum abgezogen werden. Nun gilt Schnelligkeit: Ich drücke einen (desinfizierten) Tupfer auf die Einstichstelle, aber nicht zu fest, ziehe die Nadel mit einer Bewegung raus und drücke dann sofort sehr fest auf, weil diese Stellen gern nachbluten (gern auch mal sehr heftig, mehr dazu später…). Sobald die Blutung gestoppt ist, nur noch zwei zusammengerollte Tupfer mit einem Streifen Klebeband fest auf der Stelle fixieren und hoffen, dass das Bluten nicht doch wieder anfängt.

Genug geschwärmt!

Definitiv schönster Moment des besagten Tages: Irgendwann gegen fünf Uhr, kurz vor dem Verteilen des Abendessens, jogge ich durch den Gang, um irgendetwas zu holen. Mir kommt der Krankenpflegeschüler entgegen: „Was ist los? Notfall?“ – Ich: „Ja, ich muss dringend eine Wasserflasche holen…“ (kichere) – Er lacht: „Mach mal langsam, du! Wir müssen uns echt nicht hetzen…das hat alles Zeit.“ Ach, ich hätte ihn umarmen mögen dafür.

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