Diese Woche scheint beschlossen zu haben, mich von allen Seiten zu bestürmen mit menschlichem Kontakt, mit Gefühl, Sonne und Glück, mit Zweifel. Die Beschäftigung scheint kaum ein Ende zu nehmen, parallel zum Lernen für die Uni so vieles, was geschieht, beinah ohne mein Zutun. Ein Ich steht staunend daneben, beobachtet die agierende Figur mit den kurzen Haaren und ist gelegentlich versucht, sie testweise in die Seite zu pieken, um herauszufinden, ob das echt ist, was da geschieht. Allein, dass diese Figur Schlüsselbeine hat, über die sich die Träger der ärmellosen Hemden spannen, grenzt an ein Wunder von ebensolcher Größe wie die plötzlich eingetretene helle Wärme, die die Tage beherrscht und jeden Versuch, Schuhe zu tragen, im Keim erstickt.

Also läuft diese Stockfigur herum, führungslos wie ein freigelassenes Tier, macht Unmengen von Fotos, redet sich um Kopf und Kragen und stellt erst regelmäßig abends fest, wie wenig sie eigentlich zu sagen hat. Stattdessen wird das durch etwas Seufzen kompensiert, das tiefe Einatmen warmer, gewittergeschwängerter Nachtluft und gelegentlich ein Gitarrenspiel, um die Finger nicht aus der Übung kommen zu lassen.

Es wird natürlich vorübergehen, es wird wieder kalt werden, die Wolken werden die Helligkeit schlucken ebenso wie den Sternenhimmel. Dann kommen die Gedanken vielleicht zur Ruhe, das dumpfe Glück vergeht und macht Platz für mehr Ernsthaftigkeit. Bis dahin liege ich nachts wach, höre der stillen Straße zu, schnuppere den Duft der schlafenden Bäume und der fernen Menschen und lulle mich ein mit der Samtstimme eines jungen Tom Waits, der so wenig zu fordern scheint. Ich umarme mich gelegentlich selbst und möchte doch allein sein. Bitte haltet die Zeit an. Ich möchte kein morgen erleben.

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