Es scheint, als würde ich mich ein wenig entfremden von diesem Blog in der letzten Zeit, vom Schreiben allgemein, von der Stimmung, die es dazu bedarf, der inneren Ruhe, der Zeit, die ich brauche, um wirklich so etwas wie Worte zustande zu bringen.

Das Dunkelgrün dieses Hintergrunds scheint mir so weit entfernt zu sein, unpassend, von zu vielen Erwartungen überschwängert, die eine ehrliche Auseinandersetzung mit Gedanken und Gefühlen unmöglich machen. So lange scheint es schon her zu sein, seit ich den Blog überhaupt erstellt habe. Dass er noch immer existiert, als ein weiterer Baustein der nichts-vergessenden virtuellen Identität, scheint beinah abstrus zu sein. Natürlich kann ich immer noch Fotos hochladen, doch für ironisch-distanzierte Texte, die von einem Stück Traurigkeit und gleichzeitig Gedankenverlorenheit sprechen, scheint er kaum mehr ein Platz zu sein. (Manche sagen „es“ zu ihrem Blog, doch die männliche Form ist mir so zur Gewohnheit geworden.)

Die frühere eigene Person? Wie jemand Fremdes, dem man zufällig begegnet ist, ohne es wirklich zu wollen, der einen dann mit persönlichen Details belastet, Dinge von sich selbst erzählt, die man doch eigentlich nie wissen wollte. Alt ist das alles, alt und uninteressant, hier schleicht sich wieder ein Zitat aus Juli Zehs „Spieltrieb“ meine Gedanken:

„Was soeben geschehen war, rückte in den Status des Irrealen und fiel ein paar Meter tief in ein großes Becken, für das die Bezeichnung „Gedächtnis“ bei weitem zu schmeichelhaft gewesen wäre. Es handelte sich mehr um ein Auffanglager für beliebige, meist unvollständige, zerbrochene und in sich verdrehte Erinnerungen, um einen Schrottplatz des Gewesenen(…)“

So scheint die Gegenwart ein dauerhaft für sich allein stehendes Konstrukt zu sein, ohne irgendeine Haftung, ohne Zusammenhang oder Bezug außer dieser wackeligen und äußerst unzuverlässigen Zukunft. Dadurch entsteht die Leere, die sich gelegentlich unerträglich ausnimmt und dann wieder kaum vorhanden zu sein scheint.

Allgemein sitzt hier ein etwas…eingebundenerer Mensch als noch vor einem Jahr, ein Mensch mit Interessen, die sich nicht großartig gewandelt haben und doch insgesamt eine etwas veränderte Grundeinstellung bilden. Ich fühle mich in mehr Verpflichtendes eingebunden, was schön ist und gleichzeitig anstrengend, bringt es mich doch gelegentlich in die ungewohnte Situation des „Viel vor, und die zeit für all das könnte knapp werden“. Das Nichtstun hinter der Maske des Lernens ist weniger geworden. Vielleicht auch das Lernen selbst, vielleicht wird mich dafür beizeiten das Leben bestrafen.

Vor inzwischen zwei Tagen bin ich aus Paris wiedergekommen, extrem knapp bei Kasse, staubig, verschwitzt und müde, und noch immer sehnt sich mein Körper nach einem Bett (einem ganzen, stabilen Bett, für mich alleine, und dann ausschlafen…), dazwischen wuseln Erinnerungen, deren baldiges Verblassen ich schon jetzt vorsorglich bedaure. Alle Bilder werden höchstwahrscheinlich aufgrund von diversen (ernsthaften!) Streitereien mit klappriger, unfähiger Flohmarkt-Kamera kompletter Mist geworden sein, oder – noch schlimmer – einfach überhaupt nichts. Zum Laden gehen und einen leeren Umschlag aus dem Regal nehmen, auf Nachfrage bei den Mitarbeitern ein „Tut uns Leid, auch das Labor hat da nichts mehr finden können!“ So wird es sein. Immerhin habe ich einen braunen Strickpullover gefunden, auf dem großen verlassenen Platz in La Défense, direkt vor der Grande Arche (Es war Sonntagabend kurz nach Sonnenuntergang und sehr postapokalyptisch, ich erwartete Zombies), in dem ich ja angeblich „zerbrechlich“ aussehen soll. Ich kann nicht verbergen, dass mein pseodo-männliches, schwarze Schlabber-T-Shirts tragendes Selbst davon ganz entzückt ist.

Krank ist das mit diesem Körper hier, um mich herum und überall! Nun tun nichtmal mehr meine Poknochen weh, vom Ritt auf einem wilden Mustang Pariser Leihfahrrad, sich zu zweit einen Sattel teilend, weil für ein weiteres Fahrrad kein Geld mehr übrig war. Ist ja auch sehr spießig, so mit einem ausgeglichenen Fahrrad-Personen-Verhältnis und überhaupt. Vom Süden über die Seine, nach Nordosten und dann zum Montmartre, dort Aufgabe wegen Kopfsteinpfaster und Steigung. (Ieh.)

Ich habe Gitarre gespielt und mir vorgenommen, weil ich mich zu Worten nicht in der Lage sah (sie tröpfeln, als sei mein Sprachzentrum schwer nierenkrank), die Ergebnisse mutig online zu stellen und mich der Kritik hinzugeben. („Du kiekst und klingst wie ein kleines Mädchen! Geht es noch schmalziger? Aus dir wird keine Janis Joplin werden!“ – Ja, das weiß ich alles, zu meiner Verteidigung: Ich war davor bei der Chorprobe und musste so eklige Töne singen, solche irgendwas-gestrichenen…Ach, sie waren jedenfalls viel zu weit weg von der obersten Notenlinie. Das macht ein bisschen heiser.)

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