In meinem Kopf sind Pläne. Es sind verhältnismäßig viele, fürchte ich. Problematisch daran ist nur, dass es Pläne bleiben, immer und immer… Vermutlich kennen alle dieses Gefühl (Ausnahmen bestätigen die Regel), viele Dinge tun zu wollen und am liebsten alle gleichzeitig, sie irgendwie hinter sich haben zu wollen. Ist das nur ein sich-sehnen nach Ruhe und Gemütlichkeit? Oder geht es auch darum, wirklich die eigene Situation verbessern zu wollen?

Es gibt Momente, da summieren sich all die kleinen und großen Pläne in meinem Kopf zu einem unübersichtlichen Haufen. Auf einmal wird „Batterien kaufen für die beiden Uhren um Flur“ gleichbedeutend mit „beste Freundin endlich wieder treffen“, „alten Freund anrufen“ und solchen ungreifbaren Sachen wie „sich vorbereiten für das Symposium Ende dieses Monats, bei dem ich in wissenschaftlichem Englisch das Projekt meiner Doktorarbeit erläutern und willkürklich dazu gestellte Fragen werde beantworten müssen“. Vielleicht weiche ich auch Dingen aus, indem ich sie mit auf eine meiner tausend imaginären Listen schreibe und dann dort verrotten lasse, und zwar alle miteinander, es geht zu wie auf einer Mülldeponie.

Soziale Dinge mischen sich mit Arbeit, dazu kommt Kram, den ich ganz allgemein organisieren muss, und den gesamten Raum dazwischen füllen die Klinkerlitzchen. Allein all das, was ich seit langer Zeit kaufen wollte oder sollte (einen Duschvorhang, Vorhänge für mein Fenster, einen Ceranfeldschaber – ja, ich habe das Gefühl, so etwas zu brauchen -, den MP3-Player reklamieren, weiters einen Mixer, ein paar „gute“ Schuhe). Irgendwo finde ich auch Dinge, die ich eigentlich gerne machen wollte, nur so für mich selbst…und die über die Zeit hinweg ebenfalls zu Pflichten geworden sind, ganz still und heimlich. Ich wollte mir selbst einen Pullover stricken, traue mich aber nicht daran, weil ich kaum stricken kann. Warum ich das mit dem Pullover irgendwann beschlossen habe, weiß ich selbst nicht mehr so genau. Nun liegt hier die Wolle und ein Paar passende Rundnadeln und beides wartet eigentlich nur darauf, dass ich endlich anfange.

Es kann sein, dass mir deswegen die Arbeit an meinem Projekt allgemein so gut gefällt. Es besteht aus viel Planung, aber solcher, die ich in anderem Rahmen tue, einem professionelleren. Allein die Anwesenheit im Labor bringt viel mehr Organisation in mein Handeln, und von Prokrastination werde ich lieber gar nichts schreiben. Ich bleibe derzeit fast jeden Tag neun oder mehr Stunden dort, und es macht mir nicht einmal sonderlich viel aus. In diesem Rahmen erlebe ich, dass die geplanten Dinge auch wirklich weitergesponnen werden, sie werden verwirklicht oder (ganz offiziell) verworfen. Alte Proben werfe ich weg, ungültige Zettel werfe ich weg, vieles digitalisiere ich und vernichte dann die Printversionen. Jeden Abend, wenn ich nach Hause gehe, räume ich vorher alles auf (allein schon, weil wir uns mit fünf Personen zweieinhalb „Workspaces“ teilen). Mich beruhigt das alles ungemein: Zu wissen, woran ich bin, dass Dinge auf etwas zulaufen und das (voraussichtlich) auch irgendwann erreichen werden. Pläne machen und sie verwirklichen. Dieses befriedigende Gefühl habe ich schon, wenn ich ein selbstgebasteltes Protokoll in der Hand habe, das ich hinterher selbst befolge.

Ich habe heute das Kunststück fertiggebracht, nach zehn Stunden Arbeit nach Hause zu kommen, eine lange und nette Unterhaltung mit meinem Mitbewohner zu führen und danach noch in Dunkelheit und Regen mit dem Fahrrad einkaufen zu fahren, um morgen etwas Veganes zu haben, das ich auf einen Grill legen kann. Ich weiß, dass es solche Tage nicht ständig geben kann, das widerspricht allen Naturgesetzen meiner Existenz. Andererseits kann es vielleicht nicht schaden, ein Leben zu haben, in dem ich schon auf mich selbst stolz bin (und das auch Monate später), weil ich es geschafft habe, nach wochenlangem Liegenlassen Knöpfe an ein Kleidungsstück zu nähen. Dennoch warte ich unterschwellig immer darauf, dass es wieder einen Umschwung gibt und ich meine Tage verbringe wie…normalerweise. Laptop, Essen, Jammern.

Gerade schauen mich vorwurfsvoll drei gerahmte Bilder an, die noch immer nicht an der Wand hängen (wo sie hinsollen), also endet dieser Blogpost hiermit.

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