Tatsächlich ist hier jetzt der Advent ausgebrochen. Zum allerersten Mal im Leben habe ich mich selbst um solche Dinge gekümmert. Früher geschah es in der Familie, mit Adventskranz und Hexenhäuschen-Bekleben und dem alljährlichen Aufhängen und Aufbauen von allerlei Dekoration, die immer dieselbe blieb und uns auch immer dieselbe Freude brachte, selbst in meinen Jugendjahren noch, als sich schon in die Vorfreude auf Weihnachten die nostalgische Resignation mischte, dass sich diese Vorfreude niemals mehr so echt und spannend anfühlen würde wie damals, als ich klein war.

Ein Jahr war ich in Russland, wissend, dass ich über Weihnachten zu Hause sein würde, und so sah ich keine Notwendigkeit, in meinem Petersburger Zimmer weihnachtlich zu dekorieren. Im Jahr danach war ich ohnehin wieder zu Hause. Im Jahr danach verbrachte ich die Vorweihnachtszeit im Studiwohnheim, wo ich kaum an so etwas dachte und ohnehin die karge Umgebung wenig Lust auf weitere Dekoration weckte. Im Jahr danach wohnte ich in meiner WG, wo niemand wirklich in Weihnachtsstimmung war und sich weihnachtliche Bemühungen darauf beschränkten, dass ein großer Teller mit Keksen und Süßigkeiten herumstand, der unzählige Male leergegessen und wieder aufgefüllt wurde, auch von mir. (Ich esse mittlerweile eigentlich immer, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Dazu hat sicherlich auch die Phase beigetragen, in der ich auf einmal sehr viel aß und trotzdem abnahm. Körperhass besteht zwar oft weiterhin, aber das Essen ist kein sehr schlimmes Problem mehr. Aber ich schweife ab.)

Nun bin ich beinahe so etwas wie erwachsen und herrsche über eine Wohnung mit Balkon, in der jetzt Weihnachtsdinge hängen und stehen, um die der Zauberer und ich uns selbst gekümmert haben, ganz aktionistisch sind wir am Vormittag losgezogen und haben mit einer Taschenmesser-Säge an einer privaten Tanne heimlich ein paar Zweige abgesägt. Wir haben Kerzen gekauft auf dem Weihnachtsmarkt und einen großen roten Papierstern, in dem eine Lampe hängt. Wir haben Räucherstäbchen gekauft und eine große Packung Mate, haben versehentlich zuviel herausgegebenes Geld zurückgetragen und wurden dafür von einem freundlichen Mann angesprochen und mit zwei Glühwein-Gutscheinen beschenkt. Davon haben wir einen an eine Achtjährige weiterveschenkt und den anderen gegen einen Kinderpunsch eingetauscht, den wir auf dem Weihnachtsmarkt tranken, so wie die richtigen Leute das tun.

All diese Dinge sind so schön. Ich verbringe diese Zeit tatsächlich in lauter Vorfreude auf Weihnachten, ich bekomme gar nichts mit vom nervigen Kommerz; es ist das erste Jahr, in dem das so ist. In mir ist eine solche Lust auf gemütliche, Weihnachts-Winter-Klischee-typische Dinge; ich trage Wollsocken und trinke Apfel-Zimt-Tee auf dem Sofa, nicht einmal Weihnachtslieder stören mich derzeit. Das war bisher in keinem Jahr so. Derzeit finden nur die schönen Seiten von alledem an mich heran. Niemals hätte ich erwartet, dass das einmal so werden könnte. Ich möchte es festhalten und bewahren, auch über diesen Monat hinweg und durch alle kommenden Jahreszeiten.

Zum Schluss zwei Bilder von neuen, eigenen Dingen, die nun hier aufgehängt und aufgebaut sind.

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