Er ist vorbei. Ich liege in meinem großen Bett, ich bin nackt und frisch aus der Badewanne geklettert, und draußen prasselt der Regen gegen die Scheibe, der, ich meine es zu spüren, mich eben in diesem Moment von diesem Sommer verabschiedet. Vielleicht werden noch warme Tage kommen, es ist sogar recht wahrscheinlich, doch es werden, wenn, dann goldene Herbsttage sein, und nach diesem Wochenende schließen die Freibäder meiner Stadt.

Ich bin weggefahren in diesem Sommer mit dem Zauberer; wir waren in Polen und haben gezeltet und sind viel mit dem Zug gefahren, haben sehr viele getrocknete Tomaten mit Weißbrot gegessen, uns gefreut, dass alles so billig ist, und doch zuviel Geld ausgegeben. in sieben polnischen Städten waren wir und Breslau hat mir von allen wohl am meisten gefallen. Krakau war auch wunderschön, doch außer uns fanden das noch sehr viele andere Leute, und das machte es sehr anstregend.

So viele Tage in spartanischen Verhältnissen haben mich ermüdet, ich muss es ehrlich gestehen. Der Verfall der eigenen Standards ist kaum übersehbar, und ich habe es alles mit Fassung getragen, habe meine Hand eine Stunde lang über den Abfluss eines Waschbeckens gepresst, das keinen Stöpsel hatte und in dem der Zauberer mit geklauter Handseife unsere Klamotten gewaschen hat. Gelegentlich habe ich uns in ein Café komplimentiert, dort so getan, als sei ich hübsch angezogen, und möglichst elegant extravagante Getränke bestellt, damit es sich auch zum Teil wie ein schicker Urlau anfühlt. Das war so halberfolgreich.

Wir waren dann noch in Schweden, wir sind in einer sehr langen Odyssee von Lötzen in den Masuren nach Danzig, von da abends nach Gdingen gefahren (was sehr in der Nähe liegt), haben dort am Meer zwischen lauter feiernden und betrunkenen Leuten bei Regen im Zelt geschlafen und sind frühmorgens mit einer Fähre elf Stunden lang über die Ostsee gefahren, bis wir in Karlskrona, Schweden ankamen. Wir haben auf einer winzigen Schäreninsel gecampt, sind am nächsten Morgen in den nächsten Zug gestiegen und kamen auf diese Art zu meinen sowas-wie-Schwiegereltern nach Göteborg, die uns in ihrem Ferienhaus aufgenommen haben, wo wir eine Woche mit Kanufahren, Pilze sammeln, Blaubeeren sammeln und Trödelhändler besuchen zugebracht haben.

Es war so warm, oft unerträglich heiß, und inzwischen sind einige Narben von aufgekratzten Mückenstichen nur noch kleine weißliche Flecken auf meiner Haut. Meine Arme haben die Farbe von Milchkaffee angenommen und wer meine Brüste sieht, kann erkennen, dass der Rest von mir Sonne gesehen hat. Ich habe meine Haare abschneiden lassen und sehe jetzt aus wie Spock aus Star Trek, und das ist okay.

Ich war mutig in diesem Urlaub. Ich habe vieles getan, das ich sonst nie tue, und habe ich schon erwähnt, wie furchtbar anstrengend es war..? Ich habe gelernt, polnische Wörter auszusprechen, finde es aber immer noch sehr schwer. Irgendwie bleibt Polen mir trotz allem ein wenig fremd. Ich bin froh, es endlich mal gesehen zu haben, und es ist wunderschön, dort Urlaub zu machen, Städte anzuschauen und die Natur zu genießen. Dennoch schlägt mein Herz nicht voller Liebe, wie es das (wider besseren Wissens) immer noch tut, wenn ich in Frankreich bin.

Die Menschen sind zwar sehr viel netter als in Russland, aber viel weniger nett, als ich sie in Südengland erlebt habe. Das ist nach meiner bisherigen Erfahrung immer noch die herzlichste Gegend, in der mir am meisten Aufgeschlossenheit und Hilfsbereitschaft begegnet ist.

Der Zauberer und ich waren in einem Wissenschaftsmuseum für Kinder, in mehreren Kunstgalerien, in unzähligen Kathedralen (die ich, Schande über mich, schon gar nicht mehr in der Erinnerung auseinanderhalten kann, aber ich weiß, dass sie alle sehr schön und viele ziemlich barock überladen waren), und in einem runden Gebäude, das ein riesiges kreisförmiges Gemälde beherbergt, das die Schlacht von Raclawice (sprich: Ras-wa-wize) darstellt. Ich war skeptisch, denn eigentlich gibt mir das Betrachten von Schlachtgemälden nicht viel Befriedigung, aber dieses Gemälde besticht durch seine wunderbare Aufarbeitung, eine liebevoll gestaltete Kulisse und viele historische Hintergrundinformationen.

Ich habe das Gefühl, dass in Polen die nationale Identität sehr hochgehalten wird, und dass das zu einem Gutteil mit der ständigen Unterdrückung und mehrfachen Auslöschung Polens zu tun hat. So sehr, dass ein Gemälde gefeiert wird, das einen einzigen Sieg Polens in einer Sclacht darstellt, obwohl der zugehörige Krieg (ich habe vergessen, welcher es war) trotzdem verloren wurde.

In der Bildergalerie ist auch ein Foto davon zu sehen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nun habe ich mich also wieder in meinem alten, häuslichen Leben installiert, wo immer ein bisschen zuviel Geschirr herumsteht und ein paar Klamotten zuviel auf dem Fußboden im Schlafzimmer liegen, und wo ich mich zu Hause fühle. Das habe ich zum ersten Mal wirklich gemerkt, nachdem der Zauberer und ich aus den Ferien zurückkamen und ich es kaum erwarten konnte, in diese Wohnung zurückzukehren, die hier auf uns gewartet hat.

Advertisements