Wie ich in der letzten Zeit leidvoll lernte, ist es sehr, sehr schwierig, Vitamine und Spurenelemente zu substituieren. Eigentlich sollte das kein allzu großes Problem sein. Eigentlich sollte eins meinen, der menschliche Körper sei schon darauf ausgerichtet, immer genau das zu bekommen, was er braucht, und höchstens bei Ernährungsformen wie Veganismus sei es angeraten, mehr auf so etwas zu achten. Eigentlich ist das ein Irrtum. Ich habe sogar den Eindruck, die ganze „woher bekommst du denn deine ganzen Vitamine“-Debatte hat sich so sehr in Richtung Vegetarismus/Veganismus verschoben, dass Fleischfresser_innen eigentlich gar nicht mehr darüber nachdenken, ob sie eventuell in die eine oder andere Richtung unterversorgt sein könnten. Und das, obwohl viele von ihnen es wohl irgendwie sind. Da sind die Menschen, die selten rausgehen und/oder dick angezogen sind und/oder dunkelhäutig in einem nördlichen Land leben und prompt steht Vitamin D-Mangel vor der Tür. Eine Studie in New York hat junge Frauen getestet, von denen hatte im Winter die Hälfte einen teils massiven Vitamin-D-Mangel, und von den Schwarzen Frauen drei Viertel.

Eine chronische Erkrankung wie HIV/AIDS oder Alkoholismus führt aus verschiedensten Wegen zu Vitamin- oder Spurenelementmangel, durch Verwertungsstörungen im Körper oder gestörte Aufnahme aus der Nahrung, oder auch, weil die entsprechende Nahrung gar nicht mehr zugeführt wird (Stichwort Gemüse, was Menschen, die sich fast ausschließlich von alkoholischen Getränken ernähren, kaum mehr essen).

Der Zauberer und ich, und das traue ich mich kaum zu sagen, saßen vor einiger Zeit auf der Couch und beratschlagten weitere Details des Ernstfalls, dass ein matschiger und noch dazu veganer Mensch wie ich einen komplett anderen und noch dazu schnell wachsenden Menschen monatelang in sich beherbergen könnte. Das klingt schon in der Theorie kompliziert und es wird zunehmend komplizierter, wenn eins sich Gedanken über so etwas macht wie: Selen. Oder verschiedene Arten von Cobalamin.

Ich fange einfach beim Letzteren an; Cobalamin ist das, was wir „Vitamin B 12“ nennen, und es ist…kompliziert. Einerseits gibt es mehrere verfügbare Formen, in denen wir es aufnehmen können. Sie sind unterschiedlich gut verwertbar, weil der Körper unterschiedlich viele Reaktionsschritte braucht, um daraus die bioaktive Form zu machen, die er benutzen kann (um DNA zu bauen, zum Beispiel Nervenzellen oder rote Blutkörperchen). Daran sind verschiedene Enzyme beteiligt, von denen einige gut, andere eher träge arbeiten. Einige Cobalamin-Formen sind komplett synthetisch.

Wenn jemand ein B 12-Präparat zu Hause herumliegen hat, möge er_sie mal daraufsehen und herausfinden, welche Bindungsform das ist. Die häufigsten beiden sind: Cyano-Cobalamin und Methyl-Cobalamin. Es gibt zwar noch andere Formen, aber diese beiden kommen eigentlich als einzige im Handel vor.

Und dann gibt es diese Menschen, die sich denken: „Cyano?! War da nicht was? Blaualgen? Blausäure? Böse!“ – Ja, In Cyanocobalamin ist das Vitamin, an der wir heranwollen, tatsächlich durch sehr geringe Mengen Cyanid gebunden. Allerdings so geringe Mengen, dass sie unserem Körper nichts anhaben können, und sie werden schnell abgebaut und als ungefährliches Endprodukt ausgeschieden. Es besteht also kein Grund zur Sorge. Manche Menschen machen sich allerdings Gedanken darüber, dass von der Menge Vitamin B12, die wir aufnehmen, nur ein sehr kleiner Teil unsere Zellen überhaupt erreicht. Bei Cyanocobalamin braucht es mehrere Stufen der Umwandlung im Körper, bis es überhaupt in der biologisch aktiven Form vorliegt und somit verwertet werden kann. Ist der Körper ein bisschen träge oder fehlen ihm bestimmte Enzyme, dann schafft er es nicht oder kaum, aus der (meist lustig schmeckenden) Tablette das zu machen, was er benutzen kann. Kann das gemessen werden? Nein. Und wenn es das könnte, könnten wir es uns finanziell leisten? Nein. Weil wir von dem Geld lieber achtmal ins Kino gehen. (Viel Info zu verschiedenen Tests gibt es hier.)

Sicherer ist hier Methylcobalamin, das sehr viel schneller und mit nur einem Umwandlungsschritt biologisch aktiv ist. Deswegen ist es auch dreimal so teuer. Weil meine Frauenärztin und sowieso alle Leute uns vorwarfen, wir seien so unverantwortlich, eine vegane Schwangerschaft zu versuchen, gönnten wir uns diesen Scheiß von einer Möchtegern-anthroposophischen Feelgood-Firma und seitdem lutsche ich Vitamin-B12-Tabletten (yup, wird über die Mundschleimhaut aufgenommen), die so exorbitant hohe Mengen B12 enthalten (44.000% des angeblichen Bedarfs) , dass jeder vermeintliche Mangel damit wohl Geschichte ist. Soweit bekannt ist, kann eins B12 nicht überdosieren. Menschen, die eine Aufnahmestörung oder einen schweren Mangel haben, bekommen das Zeug in ähnlicher Dosis per intramuskulärer Depotspritze. (Der Zauberer kaut die Tabletten und schluckt sie pulverisiert runter, was eine gigantische Verschwendung ist, aber angeblich sind sie zu lecker, um es nicht zu tun. Sie schmecken nach Orange.)

Mit Vitamin D ist es einfacher. Am einfachsten ist es wohl, in die Sonne zu gehen, oder zumindest tagsüber mal nach draußen, und das Gesicht gen Himmel zu halten. Und nein, UV-Licht kommt nicht durch Glassscheiben, am Fenster sitzen gilt nicht. In der Sowjetunion haben sie die Kinder im Kreis um UV-Lampen aufgestellt, das sah dann so aus.nyqjv9i(Quelle: http://airductpros.org/uv-light/)

Das UV-Licht stößt in der Haut einen Prozess an, durch den letztendlich vom Körper Vitamin D produziert wird. Deswegen müssen Menschen mit dunklerer Haut mehr darauf achten, denn wem UV-Licht weniger anhaben kann, der_die ist hier im Nachteil.

Aber wenn Winter ist und alles sich eklig anfühlt, was über den Radius des Bettes hinausgeht, dann dürfen es eben auch mal die Vitamine aus der Drogerie sein, denn eigentlich sind die nicht schlimm. Sie wirken nicht anders als das „natürlich“ produzierte Vitamin D. Es nervt nur eben, diese kantigen, Würgreiz-verursachenden, widerlich schmeckenden Brocken runterzuschlucken. Unsere Omas nehmen die alle, weil alte Frauen Osteoporose-gefährdet sind und Vitamin D nunmal den Aufbau der Knochen bewirkt. Also dass die kleinen Zellen, die Knochengewege aufbauen, aufwachen und denken: „Yay, wir müssen Knochen bauen, denn das ist das einzige, was wir können!“. Dann besiegen sie in einer dramatischen Schlacht die kleinen Zellen, die die Knochenstruktur abbauen wollen und…naja.

Wenn ihr Tabletten in der Drogerie kauft, dann achtet bitte darauf, solche zu nehmen, wo auch Kalzium enthalten ist. Denn Knochenaufbau passiert durch Vitamin D immer, und irgendwoher nimmt der Körper sich auch sein Kalzium immer, zur Not halt aus den Muskeln, was nicht so gut wäre. Und die Omnivoren und Laktos unter euch, die jetzt sagen: „Aber ich trinke doch Milch, und Barbara Schöneberger hat gesagt, die hat ganz viel Kalzium!“ – Barbara Schöneberger wurde von der Milchindustrie dafür bezahlt und außerdem hat Milch nicht soviel Kalzium und hemmt noch dazu die Kalziumaufnahme. Sprich, wenn ich dieselbe Menge Kalzium durch was anderes aufnehme, habe ich viel mehr davon.

Also: Wo Vitamin D ist, muss auch Kalzium sein. Die Veggies unter euch: Achtung, in manchen Kombipräparaten versteckt sich Gelatine.

(Und weil das hier mein Blog ist, noch an die Omnivoren: Was aus euch wird, ist mir sowas von scheißegal. Bisher nichts Gutes offensichtlich.)

Dieser Artikel hat scheußlich wenig Links und wenn jemand eine Quelle möchte, dann grabe ich dafür im Internet, bis ich das gefunden habe, was ich hier erzählt habe. Vieles weiß ich aber auch bloß vom Studium, das meiste ist eh Zeug, was alle wissen, und da kann ich keine Originalquellen angeben.)

Bis dann, ihr Zaubermäuse.

 

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