Category: Spontanes


Schönes #16

Ich habe insgesamt vier Wochen Famulatur gemacht, davon zwei Wochen in der Viszeralchirurgie (Bäuche aufschneiden) und zwei Wochen in der Gynäkologie (Brustkrebs, Gebärmutter- und Eierstockkrebs, Schwangere). Beide Famulaturen waren, um es vorsichtig auszudrücken, ernüchternd. Nach der ersten freute ich mich auf die zweite, doch die hatte eine fast noch schlechtere Bilanz. Ein derart starres Netz von Hierarchien, Geklüngel, Engstirnigkeit und Egozentrik umfängt jede_n, der_die als arbeitende Person diese Bereiche betritt, dass es eins einfängt und eins sich großeMühe geben muss, nicht versehentlich auch noch an der Schinderei mitzuwirken, sei es durch Geläster, unterschwellig gemeine Bemerkungen, den Versuch, andere gegeneinander auszuspielen oder, am schlimmsten, den ganzen Frust an Patient_innen auszulassen (was leider ziemlich häufig vorzukommen scheint).

Vielleicht war es nur Pech. Ich hoffe es. Ich wüsste nicht, wohin mit mir und meinem Wunsch, Ärztin zu werden, wenn ich einsehen müsste, dass mein zukünftiger Arbeitsalltag… so aussehen würde und es kaum eine Chance gibt, irgendwo hinzukommen, wo es anders ist, freundlicher, menschlicher. Wo ein Hinweis einfach nur ein Hinweis ist und nicht ein Verweis mit entsprechendem Vorwurf. Wo die Aussage „das geht jetzt (leider) nicht“ nicht klingt wie „sei still und nerv nicht, wir wollen dich da nicht dabeihaben“. Wo jemand auf Wissbegier nicht reagiert, indem er_sie anderen deutlich macht, sich von der fragenden Person gestört zu fühlen, die immer noch mit im Raum ist. Wo jemand einsieht, dass eins ohne eigene Schuld misinformiert worden ist und etwas daher nicht richtig machen kann, oder noch schlimmer: Wo ein System aus widersprüchlichen Meinungen herrscht, was Arbeitsgewohnheiten betrifft, sodass die lernende Person immer wieder hin- und hergeworfen wird: Befolgst du Anweisungen von A, schnauzt B dich an. Entschuldigst du dich bei B (ohwohl es eigentlich nichts gibt, was du dir hast zuschulden kommen lassen) und änderst deine Arbeitsweise so, dass es B gefällt, kannst du sicher sein, dass kurz darauf A um die Ecke kommt und entsetzt ruft: „Was tust DU denn da!?“. Es ist aussichtslos, darauf zu hoffen, dass A und B untereinander ein klärendes Gespräch bezüglich ihrer divergenten Ansichten führen würden, denn A und B wollen ja dicke Kolleg_innen sein und das Betriebsklima schonen, und du bist nur ein_e dumme_r kleine_r Prantikant_in, da macht es nichts, wenn du einmal zuviel statt einmal zu wenig angeschnauzt wirst.

Ich bin, bis auf die Zeit in Russland, selten so häufig gedemütigt worden.

Ich wurde ganz zu Anfang, an meinem zweiten Tag in der Viszeralchirurgie, vom Chefarzt persönlich gedemütigt, als ich zum ersten Mal bei einer Operation assistieren sollte. Der Chefarzt stand neben mir und trug einen halben Mundschutz. Wer noch nie einen getragen hat: Die Dinger haben vier Bänder (eins an jeder Ecke) und oben ein kleinen, biegsamen, eingearbeiteten Metallsteg. Der gehört nach oben und wird über die Nase gedrückt, sodass der Mundschutz sich dem Nasenrücken anpasst und nicht herunterrutschen kann. Die beiden oberen Bänder und danach die beiden unteren Bänder werden am Hinterkopf zu Schleifen gebunden. (In Kombination mit der großen Schleife der Kopfhaube sieht eins dann ein bisschen aus wie ein Geschenk.)

Nun stand der Chefarzt neben mir und ich konnte seine ganze Nase sehen, mitsamt der Poren und der Nasenhaare. Darunter begann sein Mundschutz, der in seinem Fall wirklich nur ein Mundschutz war. Vor uns lag eine Patientin und war vom Rippenbogen bis zum Venushügel aufgeschnitten, ein Halterahmen spannte ihre Bauchdecke auseinander und ihr Darm lag auf dem Halterahmen, damit im Bauchraum mehr Platz war. Ich war ein bisschen fassungslos, wie jemand einfach munter aus der Nase in diesen Bauch hineinatmen konnte. Der Chefarzt wirkte nicht irritiert. (Manchmal, wenn etwas juckt oder verrutscht und eins sich selbst nicht kratzen kann, weil eins ja steril ist, dann kommt jemand von der OP-Pflege und kratzt, oder rückt die Brille gerade.) Ich stand und stand und wusste nicht, was ich zu ihm sagen sollte; schließlich entschied ich mich für ein bescheidenes „Entschuldigen Sie, Professor, ich glaube (!); ihr Mund-Nasenschutz (!) ist…ähm…heruntergerutscht.“ (Das war das einzige Mal, dass ich jemand mit Prof.-Titel auch tatsächlich mit solchem angesprochen habe, ich hasse diese Schleimerei und Titelgeilheit wie die Pest…)

Der Chefarzt sagte erst nichts. Dann sagte er, geradeaus blickend: „Aha. Ja…dankeschön.“ Er blickte zum Oberarzt, der mit am Tisch stand, und beide…kicherten, wie alte Männer eben kichern, eher ein Schnauben, stimmlos, aber unüberhörbar. Der Rest der OP verlief in sturem Wir-ignorieren-die-Praktikantin-Modus, irgendwann wurde ich dann glücklicherweise auch beinahe-ohnmächtig (wie es mir bei OPs so oft passiert) und trat vom OP-Tisch ab. Die nächsten Male, die ich mit dem Chefarzt operieren durfte musste, traute ich mich nicht mehr, das Thema anzusprechen. Stattdessen fragte ich eine Assistenzärztin auf Station sehr schüchtern danach. Sie druckste herum. Ihr war anzumerken, dass sie beinahe auf Spott gegen mich ausgewichen wäre, um das Thema nicht zu besprechen. Sie entschied sich dann für ein wie-selbstverständlich-klingendes: „Tja, das ist eben einfach seine Art.“ Damit war die Sache für sie beendet.

Letzten Endes war es mein Vater, der tatsächlich einmal eine hilfreiche Idee hatte, und so rief ich die Hygienebeauftragte der Uniklinik an schob ich es zwei Wochen vor mir her, bei der Hygienebeauftragten der Uniklinik anzurufen, um nach dem Ende der Famulatur den Chefarzt persönlich anzuschwärzen.

Heute habe ich es endlich getan. Ich war sehr unsicher, telefonierte mit mehreren Personen, erzählte allen zu ausführlich mein Problem, um dann weiterverwiesen zu werden (so eine Uniklinik ist groß). Hier schließt sich der Kreis zum Titel des Beitrags, und nach all dem Elend komme ich doch noch zum Wesentlichen: Ich habe es geschafft, mit der Hygienebeauftragten, die selbst studierte Medizinerin ist, zu sprechen, und fand bei ihr zwei sehr offene Ohren für dieses so banal wirkende Problem. Sie redete sehr lange über die verfehlte Vorbildfunktion dieses Professors, über „grundlegende Hygienestandards am Situs“ (= OP-Feld = offene_r Patient_in), über „Patientenschutz“, über das Alter dieses Chefarztes und die Ansicht solcher Männer (denn solche sind es beinahe immer: 1. alte 2. Männer; ich habe noch nie eine weibliche Chefärztin erlebt), sie seinen „Halbgötter in weiß“ und seien so gut, dass sie „auch locker einen Kaiserschnitt auf einer Kuhwiese durchführen könnten“.

(Das erinnerte mich an den Famulaturbericht zweier Mitstudenten, die in Indonesien waren und auch berichteten, dass dort ohne Mundschutz operiert werde. Was wohl daran liegt, dass Indonesien schlechte medizinische Standards hat und solche Dinger vielleicht gar nicht vorhanden waren. Hier ist es dasselbe, basierend auf der Arroganz eines alten Mannes.)

Ich telefonierte Die Hygienebeauftragte telefonierte eine halbe Stunde mit mir (ich sagte meistens nur: hm, ja…) und regte sich kräftig über alles auf, und es war Balsam für meine Seele. Nachdem wir aufgelegt hatten, war ich auf eine Art froh und erleichtert, als hätte das meine ganzen deprimierenden Erlebnisse der letzten Wochen ein wenig relativiert, allein durch das Wissen, dass ich nicht nur überempfindlich bin, und dass das System wirklich ein Scheißsystem ist. Zuletzt kündigte sie an, unabhängige Kommissionen „wie zufällig“ die OP-Säle der Viszeralchirurgie inspizieren zu lassen, die Statistiken der Wundinfektionen einzusehen und den ärztlichen Direktor, der der direkte Vorgesetzte der Chefärzte ist, in Kenntnis zu setzen, und ich war ziemlich baff, was ich gerade bewirkt hatte nur mit einem Anruf wegen eines Mundschutzes.

Ich weiß noch, zuletzt sagte sie, dass dieses System sich selbst überhole, dass es solche Formen von Hierarchie und damit verbundener Arroganz nicht mehr allzu lange geben könne und dürfe, dass die Dinge sich ändern würden… und dass ich das im Laufe meines Berufslebens wohl noch erleben würde.

Schönes #15

Es klingt unglaubwürdig, aber nach diesem doch etwas gemeinen letzten Post haben sich die Dinge tatsächlich ein wenig geändert, was wohl hauptsächlich an der Prüfungsangst lag, die wir am letzten Tag vor der mündlichen Prüfung alle gleich ausstanden, zusammen mit dem Gefühl, nicht einmal genug Wissen für fünf Minuten Reproduktion zu besitzen und der Befürchtung, sich vor den anderen zu blamieren. Mir wurde nach fünf Tagen klar, dass die beiden meinen Namen kennen. Es wurde geredet, zumindest oberflächlich, ohne missgünstige Untertöne. Auch, wenn wohl keine Freundschaft daraus entstehen wird, ist es eine schöne und beruhigende Erkenntnis.

Letztendlich ging die Prüfung für uns alle mit einer Eins aus, was das Gejammer vorher ziemlich ad absurdum führte. Zusammenfassend habe ich sehr viele Babys gesehen und mit einem Sechsjährigen geflirtet, der mich nicht leiden konnte, weil ich die 73629. Person war, die ein Stethoskop auf ihn halten wollte und dazu auch noch sein Hemd hochziehen („Das kann ich alleine!“). Er war auch nicht beeindruckt von einem der lustig bedruckten T-Shirts, die ich besitze und in voller Absicht alle nacheinander während dieser Woche angezogen habe.

Nun nähert sich Weihnachten und ich habe einen Plan für fast jedes Weihnachtsgeschenk, das irgendjemand bekommen soll.

Die schönste Nachricht, die eigentlich diesen Blogpost ausgelöst hat, kam aber telefonisch an diesem Vormittag: Unser kleines weißes Kaninchen ist nicht mehr alleine. Mein Bruder rief mich an und durch die Festnetzleitung hörte ich das nervöse Atmen des Neuankömmlings; sie ist von Bekannten gekommen, nachdem deren anderes Kaninchen (wie unseres) gestorben war, sodass beide Kaninchen von akuter Vereinsamung bedroht waren. Sie verstehen sich wohl gut, schon am ersten Tag. Meine Mutter hat Bilder geschickt, die ich aus überschwänglicher Freude hier herumzeige, um mit meinem Glück hausieren zu gehen, denn nachdem wir schon dachten, unser Kaninchen müsste ins Tierheim, um nicht einsam zu sterben, kann es nun dableiben, und endlich werde ich, wenn ich im Elternhaus ankomme, wieder leichten Herzens zum Kaninchenstall gehen. Gerade fällt mir kein schöneres Weihnachtsgeschenk ein.

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Und obwohl es mir nicht immer gut geht, ich oftmals ziemlich wenig Kraft habe, grundlos traurig bin und weiterhin Medikamente nehme, bin ich so froh, dass dieses Blog endlich mal wieder einen Sinn hat. Ich bin für so vieles dankbar; unter anderem dafür, dass die weniger schönen Dinge von hier aus sogar… bewältigbar scheinen.

Schönes #14

Genug Mumm haben, um die unfreundlichen beiden Menschen, mit denen in dieser Woche bei allen Univeranstaltungen leider Dauerkontakt besteht, zu ignorieren und sich nicht von ihnen fertigmachen zu lassen. („Unterricht in Kleingruppen“ mit automatischer Gruppenzuteilung sei Dank…)

Mittags im Labor sitzen und alle hier sind so nett und freuen sich, mich zu sehen, mit ihnen ist die Mensa wunderbar, so müssten die Mittagspausen immer sein. Danach keine Angst haben vor der Aussicht, den Nachmittag wieder mit den beiden giftspeienden Drachen zu verbringen, denn sie können mir gar nichts und ich bin viel netter als sie.

Erkenntnis, auch nicht das kleinste bisschen auf ihre Gesellschaft, Sympathie oder Anerkennung angewiesen zu sein. Ich war heute schon viel entspannter als gestern.

Advent

Tatsächlich ist hier jetzt der Advent ausgebrochen. Zum allerersten Mal im Leben habe ich mich selbst um solche Dinge gekümmert. Früher geschah es in der Familie, mit Adventskranz und Hexenhäuschen-Bekleben und dem alljährlichen Aufhängen und Aufbauen von allerlei Dekoration, die immer dieselbe blieb und uns auch immer dieselbe Freude brachte, selbst in meinen Jugendjahren noch, als sich schon in die Vorfreude auf Weihnachten die nostalgische Resignation mischte, dass sich diese Vorfreude niemals mehr so echt und spannend anfühlen würde wie damals, als ich klein war.

Ein Jahr war ich in Russland, wissend, dass ich über Weihnachten zu Hause sein würde, und so sah ich keine Notwendigkeit, in meinem Petersburger Zimmer weihnachtlich zu dekorieren. Im Jahr danach war ich ohnehin wieder zu Hause. Im Jahr danach verbrachte ich die Vorweihnachtszeit im Studiwohnheim, wo ich kaum an so etwas dachte und ohnehin die karge Umgebung wenig Lust auf weitere Dekoration weckte. Im Jahr danach wohnte ich in meiner WG, wo niemand wirklich in Weihnachtsstimmung war und sich weihnachtliche Bemühungen darauf beschränkten, dass ein großer Teller mit Keksen und Süßigkeiten herumstand, der unzählige Male leergegessen und wieder aufgefüllt wurde, auch von mir. (Ich esse mittlerweile eigentlich immer, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Dazu hat sicherlich auch die Phase beigetragen, in der ich auf einmal sehr viel aß und trotzdem abnahm. Körperhass besteht zwar oft weiterhin, aber das Essen ist kein sehr schlimmes Problem mehr. Aber ich schweife ab.)

Nun bin ich beinahe so etwas wie erwachsen und herrsche über eine Wohnung mit Balkon, in der jetzt Weihnachtsdinge hängen und stehen, um die der Zauberer und ich uns selbst gekümmert haben, ganz aktionistisch sind wir am Vormittag losgezogen und haben mit einer Taschenmesser-Säge an einer privaten Tanne heimlich ein paar Zweige abgesägt. Wir haben Kerzen gekauft auf dem Weihnachtsmarkt und einen großen roten Papierstern, in dem eine Lampe hängt. Wir haben Räucherstäbchen gekauft und eine große Packung Mate, haben versehentlich zuviel herausgegebenes Geld zurückgetragen und wurden dafür von einem freundlichen Mann angesprochen und mit zwei Glühwein-Gutscheinen beschenkt. Davon haben wir einen an eine Achtjährige weiterveschenkt und den anderen gegen einen Kinderpunsch eingetauscht, den wir auf dem Weihnachtsmarkt tranken, so wie die richtigen Leute das tun.

All diese Dinge sind so schön. Ich verbringe diese Zeit tatsächlich in lauter Vorfreude auf Weihnachten, ich bekomme gar nichts mit vom nervigen Kommerz; es ist das erste Jahr, in dem das so ist. In mir ist eine solche Lust auf gemütliche, Weihnachts-Winter-Klischee-typische Dinge; ich trage Wollsocken und trinke Apfel-Zimt-Tee auf dem Sofa, nicht einmal Weihnachtslieder stören mich derzeit. Das war bisher in keinem Jahr so. Derzeit finden nur die schönen Seiten von alledem an mich heran. Niemals hätte ich erwartet, dass das einmal so werden könnte. Ich möchte es festhalten und bewahren, auch über diesen Monat hinweg und durch alle kommenden Jahreszeiten.

Zum Schluss zwei Bilder von neuen, eigenen Dingen, die nun hier aufgehängt und aufgebaut sind.

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Schönes #13

Ich habe frei und habe liebe Sachen gemacht und mir ist dafür gedankt worden, und ich habe endlich zwei Nachrichten geschrieben, die ich schon lange vor mir hergeschoben hatte…

Dafür schweige ich jetzt auch vom Wetter, vom latenten Einsamkeitsgefühl und der wieder beginnen Studiumsangst, die nach dieser sehr entspannten Woche wieder ein bisschen auftaucht.

Schönes #12

Wir haben die Wohnung aufgeräumt, von oben bis unten, von vorne bis hinten, nun riecht es nach Parkettpflegemittel, ein sanfter Geruch, und es sieht beinahe ein bisschen leer aus. Ich bin so froh, das endlich geschafft zu haben, und es gab keinen Streit, im Gegenteil, wir haben Platten gehört und alte Lieder von Reinhard Mey. Es ist spät, aber ich bin kaum müde. Ich habe die Frauenheilkunde-Klausur mit „Gut“ bestanden und war heute mit einer sehr freundlichen, zugewandten Erasmus-Studentin in der Mensa, wir haben uns auf Französisch unterhalten. Warum mag sie mich bloß?

Ein guter, ein sicherer Tag.

Schönes #11

Es ist unangenehm, das einzugestehen, weil es ein falsches Licht auf das Medizinstudium wirft, aber heute hatten wir Repetitorium in Frauenheilkunde und der Dozent war scheinbar derartig genervt über das stupide System der Multiple-Choice-Fragen, dass er uns mehr oder weniger alles verraten hat, was morgen früh in der Prüfung drankommen wird. Ich bin selten so entspannt in eine Prüfung gegangen, und trotz des schlechten Gewissens, dass das ein unfair erworbener Vorteil ist, bleibt es ein schönes Gefühl.

Gestern war ich in der Bibliothek und habe gelernt, und dann hatte ich ganz plötzlich die Motivation, den letzten Blogartikel zu schreiben. Nun mag es redundant klingen, dass ich schon in meinem Blog über mein Blog schreibe, aber ich versuche, ehrlich zu sein. Nachdem ich ihn geschrieben hatte, bin ich nach Hause gefahren, ich habe gelernt, gestrickt und tatsächlich eine Mütze fertig bekommen. Sie ist blau-gelb geringelt und hat die Form einer Zipfelmütze, und sie passt auf meinen kleinen Kopf, das tun fast keine Mützen.

Ich habe zweimal unseren Nachbarn getroffen und hatte freundlichen Smalltalk.

Ich war abends mit dem Zauberer bei Bahá’í-Freund*innen, habe Tee getrunken und über Andachts- und Themenabende geredet, ich bin so froh, diese Leute zu kennen. Es versüßt mir das Leben in dieser Stadt, zu wissen, dass es sie gibt.

Ich bin früh am Abend schlafen gegangen, und ich habe geträumt, bei meiner ehemaligen Nachbarin und einer nicht existierenden Enkeltochter von ihr in der alten Küche zu sitzen, mit dem Hund, der vor einigen Monaten eingeschläfert wurde, wir haben gegessen und auf einmal lag die Brille des Zauberers auf einer Kommode, in zwei Hälften, das Nasenteil fehlte, und ich erinnerte mich im Traum daran, dass der Zauberer krank geworden und gestorben war, dass ich ohne ihn leben müsste, und ich bin weinend aufgewacht. Allerdings lag der Zauberer neben mir und war sehr lebendig.

Schönes #9

Heute war also Halloween, und wir waren auf eine Halloween-Feier eingeladen, von unserem Nachbarn, der deutlich cooler ist, als es zunächst den Anschein hatte. Also zogen wir mit Nudelsalat in der Hand eine Tür weiter und verbrachten den Abend überwiegend mit Simpsons-Folgen und einem extrem sclechten Film, in dem David Bowie eine Hauptrolle spielte. Ich triezte die Meerschweinchen und verliebte mich ein klein wenig in beide, denn es sind nunmal Meerschweinchen, da kann mensch sich der Zuneigung kaum erwehren.

Wunderschön war, dass ich im Bad dieses Menschen eine nicht zu verachtende Sammlung von Nagellacken vorfand, viele davon waren Überlacke mit Glitter, und so saß ich selig auf dem Wohnzimmerfußboden und pinselte meine Nägel an. Nun habe ich malvefarbene Fingernägel mit silbernen Punkten, was sehr stilvoll aussieht.

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Mein Bauch ist voll von Kürbissuppe, und ich habe gelernt, „To Ramona“ zu spielen, und so beschließe ich, den Tag zu mögen trotz des gelegentlich nagenden Gefühls, dass die Leute in meiner Uni viel tollere Sachen in Planung haben, ich darin nicht involviert bin und sie allgemein viel mehr machen, mehr können, mehr sind.

Schönes #8

Ich habe schon wieder länger nichts geschrieben, weil ich nunmal inkonstant bin mit meiner Motivation und Durchhaltefähigkeit, dafür entschuldige ich mich beim Blog und sonst bei niemand (entschuldige, Blog), und mache einfach weiter, als sei nichts gewesen.

Heute habe ich ein Lied auf der Gitarre gespielt, das ich sehr, sehr gern mag und irgendwann vor langer Zeit schon einmal ausprobiert hatte. Danach dachte ich aus irgendeinem Grund, es würde sich nicht dafür eignen, von einer einzelnen Person mit so schlichter Begleitung gespielt zu werden, doch gerade gefiel es mir ziemlich gut. Ich habe es aufgenommen und hochgeladen, und es ist zwischen dem üblichen Rauschen und mit einem Verspieler-Akkord hier zu hören.

Um ehrlich zu sein, gab es ansonsten sehr wenig Schönes an diesem Tag (doch, ich habe die Ergebnisse der beiden Klausuren bekommen, die ich bisher wieder geschrieben habe, und beide mit einer Drei bestanden), ich bin matschig und müde und fühle mich so furchtbar einsam. Wie immer weiß ich nicht, ob das begründet ist oder ich mich nur anstelle. Es erfüllt mit einer ekelhaften Leere, die sich nicht so richtig vertreiben lassen will.