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Winterbilder

Beinahe habe ich es überstanden, die Kälte, die ich noch immer nicht leiden kann, voller Nässe, langsam trocknender Wäsche und dem stetigen Gefühl des Eingesperrtseins. Natürlich immer der Versuch, das alles in den Bildern zu ignorieren, nur die schöne, manchmal fast hübsche Seite des Frosts herauszukehren, die nicht immer wirklich da ist, alles mehr Schein als Sein. Vielleicht ist einzig das der Selbstzweck der Photographie: Alles Hässliche wegzukehren, zu relativieren, Bild für Bild den trügerischen Eindruck einer reinen, eindeutig einzuordnenden Welt zu erwecken, in der wir zwar gern leben würden, es aber niemals werden. Ich versuche, lächerliche Fenster zu schaffen und in der Wahl des Ausschnitts genau das auszublenden, was deutlich machen könnte, dass es sich hier nur um kaschierte Banalität handelt.

Also Bilder von Schnee, von einem entfernten Pärchen in einer Allee, einem abendlichen Waldspaziergang, von frostigen Winterhimmeln, blassen Sonnenstrahlen und nochmal Schnee.

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Ich werde die Bilder einzeln einstellen und etwas dazu schreiben, das verbraucht zwar Unmengen von Platz und ist nicht so hübsch wie eine Bildergalerie mit Slideshow-Funktion, dennoch sind Fotos von realen Ereignissen ohne Kommentare seltsam.

Es geht los in Brüssel, mit durch-die-Stadt-irren. Hier entstand das erste Foto, neben einem größeren Bahnhof, ein (scheinbar wartender) Hund, dem die Hitze genauso zuzusetzen schien wie allen anderen Lebewesen um ihn herum auch…

Einen Tag später die meisten Bilder in Paris, geknipst auf dem teuersten Film, den ich je gekauft habe: In einem Touristenladen am Boulevard St. Michel, doch noch immer halte ich dieses Geld für mit am schönsten investiert. Der lange, lange Spaziergang quer durch die Innenstadt, mit schmerzenden Füßen:

Am Ufer der Seine:

Vor der Cathédrale Notre Dame:

…Und weiter auf die Nordseite des Flusses:

Hier ging es nun, vorbei am Rathaus (mit kleiner Rast am Rathausbrunnen) in Richtung des Centre Georges Pompidou, das mich trotz (oder wegen?) all seiner Hässlichkeit dennoch fasziniert. Natürlich überall Unmengen von Menschen, an so einem heißen Tag Ende Mai.

An der Außenseite des Louvre entlang Richtung Tuileries, dort nochmal eine Rast, diesmal mit einigen Wolken und einem Wetterphänomen, wie ich sie so abgöttisch liebe.

Müde und hungrig fuhren wir dann mit Paris‘ erster vollautomatischer Metrolinie (gruselig, wenn man so nach vorn in den Tunnel gucken kann und da ist kein Fahrer) nach La Défense, ganz in den Westen, wo uns außer einem Sonnenuntergang nicht viel erwartete und mir – da muss ich der Prinzessin Recht geben – dieser braune Pullover über den Weg lief, noch ehe die Sonne hinter der Grande Arche verschwunden war. Noch nie war ich in einem derart riesigen, gleichzeitig verlassenen und absolut gespenstischen Einkaufszentrum.

Auf dem Rückweg wurde es allmählich Nacht und so kam es, dass unser letztes Ziel – der Eiffelturm – sich beleuchtet und glitzernd vor uns erhob, während wir auf einer Mauer an der Seine saßen, Spekulatiuskekse aßen und all das um uns herum, die Stadt, die Lichter, die gesamte Situation etwas derart Irreales hatte, dass es mir vorkam, als würde ich nur träumen. Ein glücklicher Traum.

Die Welt hätte einfach anhalten können…und gewissermaßen hat sie es wohl auch bis heute getan. Ich zehre noch immer von den Bildern im Kopf, der Erinnerung an die Hitze, den Fluss und das Bewusstsein des Glücks, das mich aufrecht gehalten hat. (Vielleicht tut es das noch eine weitere Woche, durch den Regen hindurch, bis alles allmählich zu verblassen beginnt.)

Nun werde ich wohl beizeiten alt und langweilig werden, denn ich habe es getan: Ich bin in meinen Jugendjahren mit dem Menschen, den ich liebe, nach Paris getrampt. Was will man mehr?

Dunkellicht