Tag Archive: Reise


Ferien

Also hatte ich die letzten vier Wochen Ferien und werde noch eine Woche haben, aber von den gesamten fünf Wochen werde ich vier gearbeitet haben. Es bleibt eine Woche übrig, in der ich mit dem Zauberer weggefahren bin, und zwar mit dem Bus. Wir waren in England. Ich kann erzählen, dass ich Leute kenne, die Engländer_innen sind oder zumindest derzeit in England wohnen, und dass ich die besucht habe; das klingt sicherlich sehr beeindruckend. Vor allem war es schön, zu wissen, wo wir schlafen würden und nicht diese Unsicherheit zu haben, eventuell eine sehr ungemütliche Nacht verbringen zu müssen ohne die Chance, sich am nächsten Morgen anständig waschen zu können. (Ich stelle fest: Mir ist es enorm wichtig, mich morgens einmal zu waschen und mir die Zähne zu putzen. Ich fühle mich sonst grässlich.)

Ich war sehr froh, einen Schal dabeizuhaben, denn es war so fürchterlich windig, dass ich beinah weggeflogen wäre, und manchmal regnete es auch, aber glücklicherweise selten. Am Victoria-Busbahnhof in London, wo wahrscheinlich alle Linien-Reisebusse ankommen und abfahren, die irgendwie im Süden Englands verkehren, gibt es furchtbar viele Obdachlose, und allgemein sind viele Viertel so heruntergekommen, mit kleinen und schmutzigen Häusern, in denen Leute wohnen, die es nicht groß zu stören scheint, dass ihr Haus ihnen irgendwann wegschimmeln könnte. Es ist bedrückend, das zu sehen, egal wie oft eins sich sagt, dass es in anderen Gegenden, anderen Teilen der Welt, noch viel schlimmer ist. In England scheint es in sehr vielen Gegenden so zu sein; in London, in Bristol und in Cornwall war es jedenfalls so.

Dafür gibt es das Meer, was wunderschön ist in seiner Wildheit, seiner Farbe und seiner immerwährenden Anwesenheit, die für mich, wo ich nicht am Meer lebe, etwas Beeindruckendes hat. Es ist so besonders, am Meer entlangzugehen („Spazieren“ kann ich nicht sagen, denn dafür muss eins sich zu sehr gegen den Wind stemmen), oberhalb der Klippen durch die Graslandschaft der Dünen zu streifen, die wie ein fremder Planet aussieht, über die zerklüfteten Felsen zu klettern oder einfach durch die kleinen Ortschaften zu wandern, mit ihren oftmals heruntergekommen Häusern und Häuschen und dazwischen ab und zu eine Palme oder ein großer Farn. Dem Golfstrom sei Dank.

Ich lade einige Fotos hoch:

Möchte ich nach diesen ganzen Bildern, die mich jetzt schon wieder wehmütig machen, überhaupt noch vom frustrierenden und desillusionierenden Alltag der Wochen danach berichten? Eigentlich nicht. Vielleicht ein anderes Mal, wenn auch das wieder in weitere Vergangenheit gerückt ist und somit distanziert und bilanzierend erzählt werden kann. Derzeit knabbere ich noch zu sehr an den deprimierenden Eindrücken, die mich an mir, meinem Verhältnis zu anderen Menschen, meiner Berufswahl und somit auch ein wenig an meiner Berufswahl zweifeln lassen, auch wenn es netto „nur“ zwei jeweils zweiwöchige Famulaturen waren, die mir sowohl mein Interesse an der Chirurgie ausgetrieben als auch meine Freude an der Gynäkologie – nunja – zumindest ziemlich madig gemacht haben. Es zehrt an mir, und das mehr, als es vermutlich sollte. Ich lasse es erst einmal ruhen und warte den Beginn des neuen Semesters ab. Adieu, liebes Blog.

Langgesammeltes

In diesem Frühling und Sommer sind doch einige Bilder entstanden und ich bin noch immer nicht dazu gekommen, sie auf den Blog zu tun. Sie passen kaum noch thematisch, erzählen von Tagen, die längst vergangen sind, von Bäumen, an denen grüne Blätter hängen und einer Zeit, als ich barfuß lief und einen Hut aufsetzte, um nicht von der Sonne verbrannt zu werden. Schon jetzt träume ich wieder davon. Am allermeisten ist es die schlichte Vision davon, in der Sonne auf dem Rasen zu sitzen und in einem Buch zu lesen. Kein Schwimmengehen in Seen und Flüssen, kein Eisessen, kein Strand, keine Urlaubsplanung kommt gegen dieses banale Gedankenbild an, das mich durch diese Tage und Abende begleitet. So seufze ich ab und zu und klicke mich durch die farbigen Zeugnisse, dass das in diesen Breitengraden theoretisch möglich ist, dass es möglich war und in einer absehbaren Zeit auch wieder möglich sein wird. Bis dahin esse ich Süßes und schlafe viel, sehr viel.

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Whatever

Es ist Herbst, ich habe im Herbst Geburtstag, und weil ich es mir so sehr gewünscht habe, haben meine Eltern für mich bei Ebay eine digitale Kamera ersteigert. Von einem sehr netten Hobby-Journalisten und Hobby-Journalismus-Fotografen (d.h., glaube ich, er hat immer mal wieder Themen recherchiert und ausgearbeitet und das dann Zeitungen angeboten), der sie uns schickte mit allem, was dabei war. Das zweite Objektiv, ein Tele, habe ich noch gar nicht ausprobiert, aus Furcht, sowieso nichts Gutes damit anfangen zu können. Er ist starker Raucher, dementsprechend riecht alles.

Es ist Herbst, und ich bekomme eine unglaubliche Angst vor allem, was mich erwartet. Dazu gehören die Dinge, die drinnen stattfinden. Unendliche Zugfahren, Busfahrten, Autofahrten, hunderte und tausende Kilometer, die ich vernichten werde allein aus der Notwendigkeit heraus, um da sein zu können, wo ich sein will, und dann auch wieder dahin zu kommen, wo ich sein muss. Immer abwechselnd. Dazu gehört die Ungewissheit, was aus meinem Promotionsprojekt werden wird, welches gerade erst im Anlaufen ist, für das ich versuche, geregelte Arbeitszeiten zu akzeptieren, Überstunden zu machen, mich nicht zu beklagen und mich in etwas einzufinden, das wohl einen Vorgeschmack auf mein ganzes späteres Leben darstellt. Für das ich komplizierte, wissenschaftliche, englische Texte lesen muss und versuchen, mir komplexe Sachverhalte selbst mithilfe von bunten Grafiken aus dem Internet beizubringen. Und dann auch noch selbst denken, analysieren, mir Sachen ausdenken und sie präsentieren, nicht dumm dastehen. Dabei habe ich eine Schreibhemmung, wenn es um so etwas geht. Ich habe es nicht einmal geschafft, in der Schule eine vernünftige Facharbeit zu verfassen. Wie kam ich auf den grandiosen Gedanken, mich an eine Doktorarbeit zu setzen? Wollte ich das, oder wollte ich nur mir und allen anderen um mich herum etwas beweisen? Wieviel „arrogante Naturwissenschaftlerin“ ist in mir, die das Wort „Work-Life-Balance“ am liebsten in die Tonne treten würde, um zum passionierten Workaholic zu mutieren? (Leider stehen mir hierfür zu viele persönliche Bedürfnisse im Weg.) Ich bemühe mich also, einfach nicht aufzugeben und es Beppo Straßenkehrer nachzutun, der einmal atmet, fegt und wieder atmet und so allmählich seine 100.000 Stunden abarbeitet. (Soviel wird vermutlich meine ganze Promotion nicht an Zeit einnehmen, schließlich bin ich angehende Medizinerin.)

Es ist Herbst, und ich fürchte mich vor den fallenden Temperaturen und noch viel mehr vor der Dunkelheit. Ich gehöre wohl zu den Menschen, die alles Licht gierig in sich aufsaugen, gedämpfte Lampen hassen (außer in Cafés und Restaurants) und Panik bekommen, wenn sie sich in Räumen mit funzeligen Energiesparlampen befinden, die nicht heller gedimmt werden können. Ich kann morgens nicht aufstehen, wenn kein Licht in meine Zimmer fällt. Ich schlafe konsequent ohne Vorhänge. Doch bald bräuchte ich die gar nicht mehr, denn es wird dunkel sein, wenn ich nach Hause komme und dunkel, wenn ich morgens das Haus verlasse, und dazwischen sind einige sehnsüchtige Blicke aus dem Fenster und der verfrorene Gang zur Mensa. Es gibt Therapieleuchten für Menschen mit saisonaler Depression. Ich habe kein Geld für so etwas und bekäme wohl auch keine Krankenkasse dazu, so etwas zu finanzieren, also tröste ich mich mit dem gelegentlichen Komfort überheizter Räume.

Am Wochenende war ich in Strasbourg, was wirklich eine menschenfreundliche Stadt ist. Sie ist barrierefreier als alles, was ich aus Deutschland kenne, multilingual (Die Namen der Pflanzen im Botanischen Garten waren auch auf deutsch vermerkt), hat viele kostenlose Angebote, ein gut ausgebautes ebenerdiges Verkehrsnetz und Unmengen von günstiger Wohnfläche im Innenstadtbereich (was, zugegeben, auf Kosten der optischen Attraktivität geht), wodurch Gentrifizierung vermieden wird.

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(Wer sagen kann, was die grüne, schrumpelige Frucht ist, bekommt einen Orden.)

Landkreuzfahrt

Das war es wirklich. Per Anhalter ging es los, durch Belgien und einen Zipfel Frankreich („Excusez-moi, est-ce que vous allez d’ici sur l’autoroute E40 à la direction de Calais? Non? Ah, dommage. Mais merci quand même.“), am Abend desselben Tages über den Kanal. In Köln fragte ich Harald Schmidt, ob er Richtung Aachen unterwegs sei, aber er wollte leider nur wieder ins Stadtzentrum (wie alle anderen an der Stelle auch!). Mir fiel seine Identität hinterher auf, obgleich ich nie fernsehe.

In Dover war die erste Nacht recht komfortabel in einer Wohnung, die wir einigen anderen Übernachtungs-Angeboten gegenüber vorzogen, was sch gelohnt hat. Kein Gestank, keine stockbetrunkenen Leute, am nächsten Morgen eine spontane Klippenwanderung. Die zweite Nacht gleich das wieder aus; Camping in einem kleinen Grünstreifen neben einem großen Kreisverkehr in Portsmouth. Warum wollte ich nochmal nach Westen, obwohl ich wusste, dass es dorthin keine Direktverbindung gibt?

Noch einen Tag später waren wir endlich in der Grafschaft, in die wir wollten, und fuhren bequem mit dem Zug nach Newquay. Auf einem Aldi-Parkplatz stehend, sahen wir zum ersten Mal den Atlantik. Danach sahen wir ihn eigentlich die ganze Zeit, immer auf der rechten Seite, weiter nach Südwesten wandernd, bei Wind und Regen. Zwei Tage und etwa 30 km später schien zum ersten Mal wieder die Sonne. Der Rest ist entspannt, noch ein bisschen trampen, um Schlafplätze betteln, Sonnenbrand, im Meer baden, Baked Beans, Hummus-Brot und Ingwerkekse essen (leider sonst nicht so viel anderes).

In St. Ives nahm ich ganz sentimental Abschied vom Meer, nur um es danach noch dreimal wiederzusehen, denn die Rückreise war…nunja, suboptimal. Sie wird nicht miterzählt, obwohl sie zwei (eigentlich sogar drei) Tage lang stattgefunden hat.

Eigentlich wollte ich nur Bilder hochladen, aber ganz kommentarlos wäre das wohl wenig sinnvoll. Das große Hitchhiker-Pappschild mit der Aufschrift „CORNWALL“ ist leider unterwegs verloren gegangen, aber zum Glück erst, nachdem es uns erfolgreich in weniger als 20 Minuten aus Plymouth rausgebracht hatte…Und nun zum Eigentlichen!

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Ich werde die Bilder einzeln einstellen und etwas dazu schreiben, das verbraucht zwar Unmengen von Platz und ist nicht so hübsch wie eine Bildergalerie mit Slideshow-Funktion, dennoch sind Fotos von realen Ereignissen ohne Kommentare seltsam.

Es geht los in Brüssel, mit durch-die-Stadt-irren. Hier entstand das erste Foto, neben einem größeren Bahnhof, ein (scheinbar wartender) Hund, dem die Hitze genauso zuzusetzen schien wie allen anderen Lebewesen um ihn herum auch…

Einen Tag später die meisten Bilder in Paris, geknipst auf dem teuersten Film, den ich je gekauft habe: In einem Touristenladen am Boulevard St. Michel, doch noch immer halte ich dieses Geld für mit am schönsten investiert. Der lange, lange Spaziergang quer durch die Innenstadt, mit schmerzenden Füßen:

Am Ufer der Seine:

Vor der Cathédrale Notre Dame:

…Und weiter auf die Nordseite des Flusses:

Hier ging es nun, vorbei am Rathaus (mit kleiner Rast am Rathausbrunnen) in Richtung des Centre Georges Pompidou, das mich trotz (oder wegen?) all seiner Hässlichkeit dennoch fasziniert. Natürlich überall Unmengen von Menschen, an so einem heißen Tag Ende Mai.

An der Außenseite des Louvre entlang Richtung Tuileries, dort nochmal eine Rast, diesmal mit einigen Wolken und einem Wetterphänomen, wie ich sie so abgöttisch liebe.

Müde und hungrig fuhren wir dann mit Paris‘ erster vollautomatischer Metrolinie (gruselig, wenn man so nach vorn in den Tunnel gucken kann und da ist kein Fahrer) nach La Défense, ganz in den Westen, wo uns außer einem Sonnenuntergang nicht viel erwartete und mir – da muss ich der Prinzessin Recht geben – dieser braune Pullover über den Weg lief, noch ehe die Sonne hinter der Grande Arche verschwunden war. Noch nie war ich in einem derart riesigen, gleichzeitig verlassenen und absolut gespenstischen Einkaufszentrum.

Auf dem Rückweg wurde es allmählich Nacht und so kam es, dass unser letztes Ziel – der Eiffelturm – sich beleuchtet und glitzernd vor uns erhob, während wir auf einer Mauer an der Seine saßen, Spekulatiuskekse aßen und all das um uns herum, die Stadt, die Lichter, die gesamte Situation etwas derart Irreales hatte, dass es mir vorkam, als würde ich nur träumen. Ein glücklicher Traum.

Die Welt hätte einfach anhalten können…und gewissermaßen hat sie es wohl auch bis heute getan. Ich zehre noch immer von den Bildern im Kopf, der Erinnerung an die Hitze, den Fluss und das Bewusstsein des Glücks, das mich aufrecht gehalten hat. (Vielleicht tut es das noch eine weitere Woche, durch den Regen hindurch, bis alles allmählich zu verblassen beginnt.)

Nun werde ich wohl beizeiten alt und langweilig werden, denn ich habe es getan: Ich bin in meinen Jugendjahren mit dem Menschen, den ich liebe, nach Paris getrampt. Was will man mehr?

Kritzelnichts

Es scheint, als würde ich mich ein wenig entfremden von diesem Blog in der letzten Zeit, vom Schreiben allgemein, von der Stimmung, die es dazu bedarf, der inneren Ruhe, der Zeit, die ich brauche, um wirklich so etwas wie Worte zustande zu bringen.

Das Dunkelgrün dieses Hintergrunds scheint mir so weit entfernt zu sein, unpassend, von zu vielen Erwartungen überschwängert, die eine ehrliche Auseinandersetzung mit Gedanken und Gefühlen unmöglich machen. So lange scheint es schon her zu sein, seit ich den Blog überhaupt erstellt habe. Dass er noch immer existiert, als ein weiterer Baustein der nichts-vergessenden virtuellen Identität, scheint beinah abstrus zu sein. Natürlich kann ich immer noch Fotos hochladen, doch für ironisch-distanzierte Texte, die von einem Stück Traurigkeit und gleichzeitig Gedankenverlorenheit sprechen, scheint er kaum mehr ein Platz zu sein. (Manche sagen „es“ zu ihrem Blog, doch die männliche Form ist mir so zur Gewohnheit geworden.)

Die frühere eigene Person? Wie jemand Fremdes, dem man zufällig begegnet ist, ohne es wirklich zu wollen, der einen dann mit persönlichen Details belastet, Dinge von sich selbst erzählt, die man doch eigentlich nie wissen wollte. Alt ist das alles, alt und uninteressant, hier schleicht sich wieder ein Zitat aus Juli Zehs „Spieltrieb“ meine Gedanken:

„Was soeben geschehen war, rückte in den Status des Irrealen und fiel ein paar Meter tief in ein großes Becken, für das die Bezeichnung „Gedächtnis“ bei weitem zu schmeichelhaft gewesen wäre. Es handelte sich mehr um ein Auffanglager für beliebige, meist unvollständige, zerbrochene und in sich verdrehte Erinnerungen, um einen Schrottplatz des Gewesenen(…)“

So scheint die Gegenwart ein dauerhaft für sich allein stehendes Konstrukt zu sein, ohne irgendeine Haftung, ohne Zusammenhang oder Bezug außer dieser wackeligen und äußerst unzuverlässigen Zukunft. Dadurch entsteht die Leere, die sich gelegentlich unerträglich ausnimmt und dann wieder kaum vorhanden zu sein scheint.

Allgemein sitzt hier ein etwas…eingebundenerer Mensch als noch vor einem Jahr, ein Mensch mit Interessen, die sich nicht großartig gewandelt haben und doch insgesamt eine etwas veränderte Grundeinstellung bilden. Ich fühle mich in mehr Verpflichtendes eingebunden, was schön ist und gleichzeitig anstrengend, bringt es mich doch gelegentlich in die ungewohnte Situation des „Viel vor, und die zeit für all das könnte knapp werden“. Das Nichtstun hinter der Maske des Lernens ist weniger geworden. Vielleicht auch das Lernen selbst, vielleicht wird mich dafür beizeiten das Leben bestrafen.

Vor inzwischen zwei Tagen bin ich aus Paris wiedergekommen, extrem knapp bei Kasse, staubig, verschwitzt und müde, und noch immer sehnt sich mein Körper nach einem Bett (einem ganzen, stabilen Bett, für mich alleine, und dann ausschlafen…), dazwischen wuseln Erinnerungen, deren baldiges Verblassen ich schon jetzt vorsorglich bedaure. Alle Bilder werden höchstwahrscheinlich aufgrund von diversen (ernsthaften!) Streitereien mit klappriger, unfähiger Flohmarkt-Kamera kompletter Mist geworden sein, oder – noch schlimmer – einfach überhaupt nichts. Zum Laden gehen und einen leeren Umschlag aus dem Regal nehmen, auf Nachfrage bei den Mitarbeitern ein „Tut uns Leid, auch das Labor hat da nichts mehr finden können!“ So wird es sein. Immerhin habe ich einen braunen Strickpullover gefunden, auf dem großen verlassenen Platz in La Défense, direkt vor der Grande Arche (Es war Sonntagabend kurz nach Sonnenuntergang und sehr postapokalyptisch, ich erwartete Zombies), in dem ich ja angeblich „zerbrechlich“ aussehen soll. Ich kann nicht verbergen, dass mein pseodo-männliches, schwarze Schlabber-T-Shirts tragendes Selbst davon ganz entzückt ist.

Krank ist das mit diesem Körper hier, um mich herum und überall! Nun tun nichtmal mehr meine Poknochen weh, vom Ritt auf einem wilden Mustang Pariser Leihfahrrad, sich zu zweit einen Sattel teilend, weil für ein weiteres Fahrrad kein Geld mehr übrig war. Ist ja auch sehr spießig, so mit einem ausgeglichenen Fahrrad-Personen-Verhältnis und überhaupt. Vom Süden über die Seine, nach Nordosten und dann zum Montmartre, dort Aufgabe wegen Kopfsteinpfaster und Steigung. (Ieh.)

Ich habe Gitarre gespielt und mir vorgenommen, weil ich mich zu Worten nicht in der Lage sah (sie tröpfeln, als sei mein Sprachzentrum schwer nierenkrank), die Ergebnisse mutig online zu stellen und mich der Kritik hinzugeben. („Du kiekst und klingst wie ein kleines Mädchen! Geht es noch schmalziger? Aus dir wird keine Janis Joplin werden!“ – Ja, das weiß ich alles, zu meiner Verteidigung: Ich war davor bei der Chorprobe und musste so eklige Töne singen, solche irgendwas-gestrichenen…Ach, sie waren jedenfalls viel zu weit weg von der obersten Notenlinie. Das macht ein bisschen heiser.)